Der Rechnungshof zerpflückt die WKÖ wegen üppiger Gagen an der Spitze, fragwürdiger Abrechnungen und überhöhter Rücklagen. Das erhöht den Druck, sich endlich zu reformieren.
Mangelnde Transparenz, Doppelgleisigkeiten, fehlende Steuerung: Das Zeugnis des Rechnungshof zur Wirtschaftskammer fällt vernichtend aus. Die Personalkosten – rund eine halbe Milliarde Euro pro Jahr – stehen im Fokus, besonders an der Spitze:
WKÖ-General verdient mehr als Wirtschaftsminister
So empfiehlt der Rechnungshof etwa, „die Bruttomonatsbezüge des Generalsekretärs und seiner Stellvertreter jedenfalls niedriger festzusetzen als jenen des Wirtschaftsministers“. Tatsächlich verdient WKÖ-General Jochen Danninger um über zehn Prozent mehr als der Wirtschaftsminister, was einer monatlichen Gage von über 22.000 Euro brutto entspricht.
Auch die Bezüge der Präsidenten und (zahlreichen) Vizepräsidenten nimmt der Rechnungshof ins Visier. 2024 kam ein neues System, das für den Präsidenten über 15.000 Euro vorsah. Nach einem Aufschrei ruderte man zurück. Auch wie die Gagen zustande kommen, sei ein „Interessenkonflikt“ – das Präsidium beschließt sie sich sozusagen selbst.
Kammer finanzierte Vize Hesoun Vielflieger-Status
Wer hohe Ämter hat, muss auch viel reisen, das führt zu Kuriositäten: Ein Präsidiumsmitglied ließ die Kammer die Kosten von 2000 Euro für „den exklusiven Vielfliegerstatus bei einer europäischen Fluglinie“ übernehmen, bekrittelt der Rechnungshof – ein „Einzelfall“, meint die Kammer. Beim Präsidiumsmitglied handelt es sich laut Insidern um Ex-Siemens-General Wolfgang Hesoun.
Dort, wo der Rechnungshof Verbesserungspotenzial aufzeigt, wird das in die laufenden Reformüberlegungen aufgenommen.

Jochen Danninger, WKÖ
Bild: Eva Manhart
Auch die sonstigen Gehälter kritisiert der Rechnungshof. Im Herbst stand die WKÖ stark in der Kritik, weil sie inmitten schwieriger Lohnverhandlungen die Gehälter ihrer Mitarbeiter um satte 4,2 Prozent erhöhte. Auch extern kauft die Wirtschaftskammer gern zu. Für einen „Transformationsprozess“ beauftragte man KPMG für 116.000 Euro Honorar im Monat.
Rücklagen über 20 Jahre unverändert in Bilanzen
Da die Kammer im Geld ihrer Zwangsmitglieder schwimmt, haben sich über die Jahre zudem Milliardenrücklagen angehäuft. Der Rechnungshof kritisiert vor allem, wie diese unkoordiniert zustande kommen. „Die Wirtschaftskammern führten Rücklagen teilweise seit 20 Jahren ohne Veränderungen in ihren Bilanzen“, heißt es. Dabei wären sie mitunter aufzulösen.
Die Kammer will die Kritik ernst nehmen. General Jochen Danninger betont, „Verbesserungspotenziale in die Reformüberlegungen aufzunehmen“. Die Kammer arbeite bereits an mehr Sparsamkeit, schlankeren Strukturen und mehr Transparenz.
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