Unerwartete Gäste

Schulende-Pressekonferenz wurde zur „Sprechstunde“

Oberösterreich
06.07.2026 18:00

Bei der Präsentation der Schulbilanz tauchten zwei streitbare Gäste auf: Die Mutter eines 13-Jährigen und die „Orgasmus-Päpstin“ nutzten den Pressetermin für eine inoffizielle Sprechstunde mit Bildungslandesrätin Christine Haberlander und Alfred Klampfer, Direktor der Bildungsdirektion OÖ.

Normalerweise sind die Schulbilanz-Pressekonferenzen des Landes OÖ eher entspannt, mit Fokus auf Zahlen – siehe links. Am Montag war aber alles ganz anders als sonst. Um 11.30 Uhr tauchten im Linzer Presseclub auch zwei unerwartete Zaungäste auf: Cornelia S., Mutter jenes 13-jährigen Schülers aus Altmünster, der nach fünfjähriger Schulabstinenz alle Prüfungen geschafft hat und nach den Ferien nicht, wie zuerst befürchtet, in die 3. Klasse Volksschule, sondern in die vierte Klasse Mittelschule kommt.

Auch „Orgasmus-Päpstin“ dabei
Ebenso unerwartet war der Besuch jener ehemaligen Volksschullehrerin aus Grein, die als „Orgasmus-Päpstin“ wochenlang bundesweit für Schlagzeilen sorgte, als sie sich gegen ihre Entlassung wehrte. Ihre Entlassung sei zwar überschießend, ihre Kündigung aber rechtens gewesen, hatte der Oberste Gerichtshof die Beschwerde der Ex-Lehrerin abgewiesen.

Pressetermin oder Sprechstunde
Letztere wollte von Bildungsreferentin Christine Haberlander (ÖVP) eine persönliche Meinung zum Umgang mit dem Thema Sexualität von Lehrern in der Freizeit, während Mutter Cornelia S. ihrer Unzufriedenheit mit Alfred Klampfer, dem Direktor der Bildungsdirektion Oberösterreich, und dem Bildungssystem Luft machen wollte.

Am Ende dürfte der Besuch aber für beide Damen eher unbefriedigend gewesen sein – weder Haberlander noch Klampfer wollten sich äußern: Pressekonferenzen sind eben keine Sprechstunden. In der ÖVP wurde anschließend darüber gerätselt, ob und von wem der ungewöhnliche Auftritt der beiden Systemkritikerinnen inszeniert gewesen sein könnte.

Ermittlungen aufgenommen
Am Rande des Termins kam aber auch auf, dass mittlerweile die Staatsanwaltschaft im Fall des 13-jährigen Altmünsterer Schülers Ermittlungen wegen Verdachts auf Amtsmissbrauch eingeleitet hat, wie Ulrike Breiteneder, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Linz bestätigte. Dabei werde nun gegen sechs Beschuldigte – Verantwortliche der Bildungsdirektion und Verantwortliche des Landes – ermittelt. Eine erste Stellungnahme der Bildungsdirektion habe den Ermittlern nicht ausgereicht, weshalb um eine zweite gebeten wurde.

„Ein Einzelfall“
Ob die Lösung bei dem Schüler (13), der trotz nicht abgelegter Externistenprüfungen nun nach erfolgreichen Einstufungsprüfungen doch in die Mittelschule einsteigen darf, für ähnliche Sorgenkinder Tür und Tor öffnet? „Das ist ein Einzelfall, derzeit gibt es nichts Vergleichbares“, sagt Klampfer. Er freue sich aber für den Bursch, dass er die Tests bewältigt habe.

Erfreuliche Ergebnisse
Im offiziellen Teil der Pressekonferenz hingegen gab es durchaus viel Erfreuliches. Etwa die Maturanoten: 49,2 Prozent der AHS-Schüler schnitten in Deutsch, 57,2 Prozent in Englisch und 42,2 Prozent in Mathematik mit einem „Gut“ oder „Sehr gut“ ab, an den Berufsbildenden Schulen waren es in den Sprachen etwas weniger, in Mathe dafür sogar 44,8 Prozent. Nicht genügend gab es bei den 5865 Maturanten nur 151.

Gegen Änderung bei Ferien
„Eine andere Quote möchte ich noch hervorheben, die sich schon in den vergangenen Jahren abgezeichnet hat: Immer mehr Maturanten sind weiblich“, freute sich die Bildungsreferentin. Konkret waren von insgesamt 5865 AHS- und BHS-Absolventen heuer bereits 3402 weiblich – so viele wie nie zuvor. Entschieden sprach sich Haberlander gegen eine Vorverlegung der Sommerferien aus: Das sei arbeitenden Eltern nicht zuzumuten. Warum genau, wurde aber nicht erklärt.

Lehrkräftemangel immer noch Thema
Politische Reaktionen folgten: Die Neos kritisierten ein mangelndes Angebot an sommerlicher Kinderbetreuung, der SPÖ sind bevorstehende Pensionierungen beziehungsweise ungenügende Maßnahmen gegen die Knappheit bei Lehrkräften ein Dorn im Auge. Rund 600 Pädagogen-Stellen waren im Juni in OÖ ausgeschrieben. Mittelschulen sowie die Bezirke Wels und Braunau sind besonders betroffen. In den Ferien wird weitergesucht. 

OÖVP-Klubobfrau Margit Angerlehner wollte das so nicht stehen lassen und reagierte ihrerseits: „Von einem enormen Lehrermangel kann keine Rede sein. 600 offene Stellen, von denen viele nicht vollzeitäquivalent sind, entsprechen bei 22.000 Lehrkräften in Oberösterreich nicht einmal drei Prozent. Wir sind zuversichtlich, den vorhandenen Bedarf an neuen, engagierten Pädagoginnen und Pädagogen im kommenden Schuljahr zu decken.“

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