„Alte Liebe rostet nicht“: Zumindest gilt der Spruch in einem aktuellen Fall, wo eine „Legende wiederaufgefahren ist“: Nach dem „Abgesang“ auf die 4020-Züge verkehren diese noch im Weinviertel. Eisenbahn-Freaks sind begeistert, Pendler weniger.
Jochen Hladik, Mitglied einer Online-Facebookgruppe über Probleme im Betrieb der Nordwestbahn, traute seinen Augen nicht: „In wenigen Minuten fährt ein 4020er von Floridsdorf nach Retz“, stand da zu lesen. Dabei sind, die „Krone“ berichtete, die ehemals als „Blauer Blitz“ bezeichneten Bahngarnituren mit großem medialen Tam-tam kürzlich ausgemustert worden.
Für Eisenbahnkenner war es nicht die Überraschung
Im Gespräch mit der „Krone“ meint Eisenbahn-Fan Hladik: „Wir haben damit eigentlich gerechnet“, kommentiert er ehrlicherweise. Denn offenbar, so lautet eine Information, scheinen – wegen von nicht allzu langer Zeit durchgeführter Modernisierungen – in vorausschauender Rücksicht auf den Rechnungshof noch einige Kilometer abgespult werden müssen.
Unterschiedliche Varianten sind noch Richtung Norden unterwegs
Der Eisenbahn-Fan sah im Internet nach – und wirklich: Am Sonntag um 18.11 Uhr fuhr eine Garnitur dieser 1978 in Betrieb gestellten Serie, deren Triebfahrzeuge auch unter der Bezeichnung 6020 (Bezeichnung: Steuerwagen) die Waggons mit den berühmten hängenden Leder-Haltegriffen zogen, von Floridsdorf nach Retz. Es folgten negative, begeisterte sowie auch sarkastische Meldungen: „Besser, es fährt dieser Oldtimer, als es gibt einen Zugausfall ...“
Weinviertel fühlt sich benachteiligt, Eisenbahnfreunde haben ihre Freude
„Eigentlich haben viele Menschen eine riesige Freude damit, dass die Garnituren im Wortsinn noch auf Schiene sind. Das ist allerdings nur im Norden so“, spielt man auf Reaktionen in dem Online-Forum an, dass es der beste Beweis sei, dass „die Strecken von Wien ins Weinviertel vernachlässigt werden“. Nach Süden geht es ja schon flott mit neuen Garnituren, aufgrund eines Sicherheitssystems sollen 4020er aber tabu sein.
zum Elektrotriebwagen 4020
Viele „pendeln“ nun zu den Nord-Strecken Niederösterreichs
Für eingefleischte Bahnfans ist der Norden willkommene Gelegenheit, „nostalgische Zug-Luft“ zu schnuppern. Eine zu erwartende Folge: „Einige User fragen im Internet gezielt nach Zugnummern und wo diese Garnituren zum Einsatz kommen“, folgert Hladik. Das ist nicht unbedingt zur Freude von regelmäßigen Fahrgästen, denn die Platzbedingungen für Pendler sind hier doch noch nicht die allerbesten ...
Interne Tipps von Eisenbahn-Fans machen die Runde
Angeblich ein „Trick“, 4020-er zu entlarven: Weiter unten steht „Niederflurfahrzeug“, allerdings durchgestrichen.
Eine weitere Empfehlung von Eisenbahn-Fans: „Einfach auf den Bahnhof Wien-Floridsdorf stellen: Dort wird man sie noch öfter sehen, und zwar in den verschiedensten Ausführungen – 4020, 6020 oder 7020.“
Stellungnahme der ÖBB
„Am Freitag, dem 03.07.2026, war der letzte planmäßige Einsatztag der Baureihe 4020. Aufgrund der vergangenen Hitzewelle mussten einige Triebwagen anderer Reihen außerplanmäßig in die Werkstatt. Damit wir im Sinne unserer Fahrgäste die Anzahl an Zugausfällen möglichst gering halten, wurde kurzfristig entschieden, auf jene Triebwagen der Reihe 4020 zurückzugreifen, die im Rahmen der Wartungsfristen noch eingesetzt werden können. Diese Triebwagen fahren künftig ausschließlich als sogenannte Blaulichtgarnituren bzw. Reserve und haben keinen fixen Einsatzplan. Es wird nach Bedarf auf sie zurückgegriffen. Ein Einsatz im Raum Floridsdorf ist ab 10. August aufgrund des Umbaus des Sicherungssystems auf ETCS auch technisch nicht mehr möglich“
Anmerkung des Autors: Noch während der Recherche tauchten im Netz weitere Zugnummer-Tipps auf – einer mit einem passenden Bild, nostalgisch von Sprayern mit „Good bye“ verziert . . .
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