Die Montanuniversität Leoben will die Zeit von 1938 bis 1945 aufrollen. Die Ergebnisse sollen 2027 veröffentlicht werden.
Gemeinsam mit dem Boltzmann-Institut für Kriegsfolgenforschung will man die Zeit des Nationalsozialismus von der Montanistik von 1938 bis 1945 aufrollen. Die Ergebnisse der Forschung sollen im Juni 2027 fertiggestellt präsentiert und dann auch publiziert werden.
„Tiefenbohrung“ und reflektierte Erinnerungskultur
„Die Montanuniversität stellt sich ihrer historischen Verantwortung, ein belastetes Kapitel wie das von 1938 bis 1945 darf man weder ausblenden noch relativieren. Verantwortung beginnt mit Wissen“, sagte Rektor Peter Moser am Mittwoch bei einem Pressetermin. Er hat das Projekt angestoßen. Die Universitäten seien in der NS-Zeit nicht Orte der Forschung gewesen, sondern waren auch in politische und ideologische Strukturen des NS-Staates eingebunden. Die Montanuni war damals dem Reichserziehungsministerium in Berlin unterstellt.
„Uns geht es nicht nur um das Institut, sondern auch um Menschen – jene, die profitierten und vor allem jene, deren Lebenswege zerstört, die entrechtet, ausgestoßen, ermordet wurden“, so der Rektor. Bisher sei die Aufarbeitung an der Montanuni nicht passiert. Dieser Schritt sei sehr wichtig, meint Barbara Stelzl-Marx, Leiterin des Boltzmann-Instituts. „Die Spuren sind auf den ersten Blick unsichtbar, wir wissen aber aus anderen Projekten, sie sind eingebrannt in das Gebäude und die Biografien der Menschen hier“, so Stelzl-Marx.
86 Prozent der Studenten waren NSDAP-Mitglieder
Beleuchtet wird der Hochschulalltag, die Involvierung in die NS-Kriegswirtschaft und Rüstungsindustrie – und das Personelle: „Wie hat die Makro- in die Mikrogeschichte hineingespielt? Wir wissen, dass rund 86 Prozent der Studenten der Montanuni NSDAP-Mitglieder waren“, so Stelzl-Marx. Man möchte auch hinterfragen, welche Handlungsspielräume es gegeben habe, wer verfolgt wurde. Das seien bisher Forschungslücken.
Archive und mündliche Berichte
Das Projektteam des Boltzmann-Instituts unter Katharina Bergmann-Pfleger wird auf die Archive der Montanuni, des Stadtarchivs Leoben, des steirischen Landesarchivs, des Staatsarchivs in Wien und der bundesdeutschen Quellen in Berlin zugreifen. Auch mündliche Berichte und private Quellen werden berücksichtigt. Laut Bergmann-Pfleger soll der Endbericht öffentlich einsehbar sein. Das Projekt kostet rund 200.000 Euro.
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