In Selbstverteidigungskursen lernen Kinder, wie sie sich bei einem potenziellen Angriff oder Überfall verteidigen können. Die „Krone“ durfte 25 Schülerinnen einen Vormittag lang begleiten.
Ein Kick, ein Schlag und schon wird der Mann mit Schutzhelm – teilweise wortwörtlich – von einer 13-Jährigen in die Knie gezwungen. Dieser Mann ist Kampfsportler Florian David, der sich mit Selbstverteidigungskursen an Bildungseinrichtungen anbietet. So etwa in einer Mittelschule im 9. Bezirk.
Viermal übernimmt er für zwei Stunden den Turnunterricht und lehrt über Theorie, aber auch Praxis. Letztere steht an jenem Tag, an dem die „Krone“ zu Besuch war, am Programm.
Florian und seine Kollegen Robert und Ravan, ihres Zeichens ebenso Kampfsportler, schlüpfen in die Rolle der „Angreifer“. In mit Turnmatten ausgelegten Bereichen steigen die Schülerinnen einzeln gegen die Männer „in den Ring“.
Sie üben, wie sie sich im Falle eines plötzlichen Übergriffes wehren könnten. Einige sind schüchterner, andere stemmen sich mit ganzer Kraft gegen die „Angreifer“. Sie schreien, schlagen, weichen aus
Selbstbewusstsein ist A und O
Die perfekte Technik, um den Täter quasi aus dem Hinterhalt zu überraschen, ist dabei nebensächlich. Vielmehr wolle Florian die Hemmschwelle der Mädchen verringern: „Viele von ihnen trauen sich nicht einmal, eine Speise im Restaurant zu reklamieren, wenn die falsche serviert wird. Wie sollen sie dann jemanden körperlich abwehren?“
Er möchte, dass die Kinder selbstbewusster werden und erkennen, dass es etwas nützt, wenn sie sich verteidigen. Eingeschüchtert sind die Mädchen nicht, erzählt die 13-jährige Selena. „Ich hab’ sogar schon meinen Papa herausgefordert“, sagt sie. Sie fühle sich stark, so die Schülerin nach ihrem „Kampf“ gegen Florian, der ihr danach praktische Tipps gibt. „Schlage lieber mit der Handfläche und nicht mit der Faust zu. Das verringert das Verletzungsrisiko“, sagt er.
„Du schaffst das!“
Seine Ratschläge setzen die Mädchen direkt in die Tat um. Jedes Mädchen darf sich mindestens viermal gegen die Männer verteidigen. Sie alle können sich aus dem Angriffsszenario befreien. Bewusst. „Sie sollen alle Erfolgserlebnisse haben“, so Florian. Keines der Mädchen bricht frühzeitig ab. Ganz im Gegenteil: Die Schülerinnen motivieren sich gegenseitig, sprechen sich Mut zu.
Genau das ist es, was Florian und seine Kollegen erreichen wollen. Zum Ende des zweistündigen Kurses sind die drei Männer sichtlich erschöpft. Florian hält noch eine letzte Motivationsrede und teilt Zettel mit Notrufnummern aus. „Egal, wie ihr seid und wie ihr euch kleidet: Nichts rechtfertigt einen Angriff“, sagt er.
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