„Totaler Wahnsinn“

Hitler-Bunker in Berlin soll Wohnungen weichen

Ausland
30.06.2026 07:59
Porträt von krone.at
Von krone.at

Ein geplantes Bauprojekt in Berlin sorgt derzeit für Aufregung: Der Bunker der früheren Neuen Reichskanzlei soll Wohnungen weichen. 

Nicht nur Denkmalschützer sehen die Pläne kritisch.

„Eine der letzten Spuren der NS-Machtzentrale abzureißen, das ist heutzutage totaler Wahnsinn“, erklärte Dietmar Arnold, Vorstandsvorsitzender des Vereins Berliner Unterwelten.

Berlins Bausenator Christian Gaebler (SPD) spricht sich gegen einen Erhalt aus. Der „B.Z.“ sagte er: „Wir stehen dem Neubau von Wohnungen nicht im Wege, um einen Bunker zu erhalten, der dann womöglich noch zum Wallfahrtsort wird.“

Wohnungen und Büros geplant
Der Verein findet diese Position nicht nachvollziehbar. „Das ist nur ein vorgeschobenes Argument. Der Verein Berliner Unterwelten zeigt seit Jahren erfolgreich, wie man sich mit solchen Gebäuden auseinandersetzen kann, ohne sie gleich abzureißen“, erklärt Arnold. Für Berlin sei der Abriss des letzten authentischen Restes der Neuen Reichskanzlei „oberpeinlich“, findet er. Laut dem Bericht der „B.Z.“ soll auf dem Gelände ein siebengeschossiges Gebäude mit 66 Wohnungen, aber auch ein Bürogebäude mit sechs Geschossen errichtet werden.

Hier ist Dietmar Arnold in einem der Bunkerräume zu sehen, die abgerissen werden sollen: 

Letzter erhaltener Vorkriegsbunker des NS-Regierungsviertels
Aus Sicht des Landesdenkmalamtes ist der Bunker von „umfassender historischer und wissenschaftlicher Bedeutung“, wie Sebastian Heber erklärt, der Abteilungsleiter für Bodendenkmalpflege ist. Der Bunker stelle den letzten bauzeitlichen Rest der Neuen Reichskanzlei dar und sei zudem der letzte noch erhaltene Vorkriegsbunker des Berliner NS-Regierungsviertels. Aufgrund einer Weisung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sei der Bunker jedoch nicht als Denkmal ausgewiesen worden.

Der Landesdenkmalrat, ein Expertengremium, sprach sich im vergangenen Jahr dafür aus, den Erhaltungszustand und eine Eintragung des Bunkers in die Denkmalliste zu prüfen. „Die Neue Reichskanzlei war Planungs- und Ausgangsort des Zweiten Weltkrieges und steht symbolhaft auch für das katastrophale Ende des NS-Regimes“, heißt es in einer Empfehlung des Gremiums vom März 2025.

Die Neue Reichskanzlei war laut Deutschem Historischen Museum Berlin ein monumentaler Regierungs- und Repräsentationsbau des NS-Regimes in Berlin, den Adolf Hitler als architektonisches Symbol seines Herrschaftsanspruchs errichten ließ. Nach Plänen von Albert Speer wurde das Gebäude ab 1934 in der Voßstraße gebaut und in nur rund zwölf Monaten bis Jänner 1939 weitgehend fertiggestellt, nachdem zuvor ganze Straßenzüge abgerissen worden waren. 1945 wurde die Kanzlei von der Roten Armee eingenommen und ab 1949 abgerissen.

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