Arbeitsunwillig, faul oder gar handysüchtig – das ist oft das Bild der Gesellschaft über die heutige Jugend. Und dabei wissen die Kärntner gar nicht so viel über diese Altersgruppe. Denn zum ersten Mal hat die Arbeiterkammer Kärnten (AK) eine eigene Jugendstudie in Auftrag gegeben.
Teurer Wohnraum, verbesserungswürdige Infrastruktur und vieles mehr: Die Studie offenbart fehlende Perspektiven für die Jugendlichen.
Die 14- bis 25-Jährigen sind sehr heimatverbunden und dennoch will bedenklicher Weise jeder Zehnte der 1.878 Befragten Kärnten verlassen. „Fernweh haben besonders junge Frauen und Studierende“, sagt Martina Zandonella. Sie ist Autorin der AK-Jugendstudie und arbeitet für das Foresight Institut in Wien.
Es ist erschreckend, wie wenig Interesse den Jugendlichen gegenüber gezeigt wird. Die Befragten waren für die Umfrage enorm dankbar.

Martina Zandonella, Studienautorin
Bild: Elena Überbacher
Mangelnde Infrastruktur, große Unzufriedenheit mit dem Freizeitangebot, wenig Weiterbildungsmöglichkeiten, bessere Arbeitschancen und der unleistbare Wohnraum sind häufigste Gründe, um Kärnten den Rücken zu kehren. „Wenn die Rahmenbedingungen in diesen Bereichen nicht angepasst werden, droht dem Land die Abwanderung weiterer junger Talente“, befürchtet Kärntens AK-Präsident Günther Goach.
Teuerung belastet die Jugendlichen enorm
Über die Jahre sind Lebenshaltungskosten wie Strom, Heizen und Lebensmittel gestiegen. Besonders Jugendliche, die in Ausbildung sind, leiden darunter. „Die meisten absolvieren eine Lehre und Studierende arbeiten nebenbei, um sich einen Wohnraum zu finanzieren“, so die Sozialwissenschaftlerin.
Durch diese Existenzsorgen gehen wichtige globale Themen wie der Klimawandel bei den Jugendlichen überwiegend vorbei. 30 Prozent der Befragten berichten außerdem, dass es ihnen psychisch nicht gut geht. „Psychische Gesundheit geht Hand in Hand mit finanzieller und sozialer Sicherheit“, weiß Zandonella.
Engagierte Jugend wird nicht ernst genommen
„Das Engagement der Jugendlichen in der Gesellschaft ist sehr lobenswert“, hebt Günther Goach hervor. Denn die Studie zeigt, dass die Jugend mitgestalten will und sich auch zu politischen Themen regelmäßig informiert. Doch werden wichtige Entscheidungen getroffen, fühlen sich viele unbeteiligt und nicht gefragt. „Viele Jugendliche haben sich im Anschluss der Studie bei den Begleitpersonen für das entgegengebrachte Interesse sogar bedankt“, zeigt sich Zandonella über die Rückmeldungen erstaunt.
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