Völlig eskaliert ist in Vorarlberg ein Streit zwischen einem Vater und seiner Tochter. Im Prozess am Landesgericht Feldkirch taten sich Abgründe auf, die einen fassungslos machen.
Was sich hinter den Mauern eines unscheinbaren Familienhauses abgespielt haben soll, ließ selbst erfahrene Prozessbeobachter erschüttert zurück. Vor Gericht stand ein 46-jähriger Bauingenieur aus Vorarlberg. Der Vorwurf: Nötigung und versuchte schwere Nötigung gegenüber seiner eigenen Tochter.
Im Mittelpunkt des Prozesses stand ein Handyvideo, das die damals 20-jährige Tochter am 20. September 2025 selbst aufgenommen hatte. Es zeigt einen Streit, der völlig außer Kontrolle gerät. Die Aufnahmen sind verstörend: Zu hören sind Schreie. Ein Vater, der die Beherrschung verliert. Eine Tochter, die sich wehrt. Die Situation eskaliert mehr und mehr.
Ein belastetes Verhältnis
Auslöser des Streits war nach Angaben des Angeklagten ein seit Jahren belastetes Verhältnis. Seine Tochter habe „alles bekommen, aber zu Hause nie mitgeholfen“. Mehrmals habe er zudem offene Rechnungen für sie bezahlt. An jenem Tag sei die Situation schließlich gekippt: „Die Sache ist einfach eskaliert.“
Vater wollte Beziehung zu türkischstämmigen Mann verhindern
Was auf dem Video festgehalten wurde, wiegt schwer. Laut Anklage wollte der Vater verhindern, dass seine Tochter eine Beziehung mit einem türkischstämmigen Mann führt. So hat er seiner Tochter gedroht, sie zu schlagen, wenn er sie nochmals mit einem Türken erwischen sollte. Während er seiner Tochter eine Ohrfeige versetzte, forderte er sie auf, still zu sein und nicht zu schreien. Als sie dennoch reagiert, folgen brutalere Drohungen: „Wenn du nochmals schreist, werde ich dir den Kopf ausreißen, dich in den Dreck werfen, dich zertreten und umbringen.“
Staatsanwältin: „Das ist kaum in Worte zu fassen“
Für die Staatsanwaltschaft zeigt das Video einen erschreckenden Einblick in das Familienleben. Staatsanwältin Karin Dragosits fand deutliche Worte: „Was sich hinter einer bürgerlichen Familienidylle abgespielt hat, ist kaum in Worte zu fassen.“ Sie sprach von einem „Familientyrann, der in unglaublich gewalttätiger Art und Weise auf die Tochter losgegangen ist“. Besonders erschütternd sei gewesen, dass „die weinende und verzweifelte Tochter“ den Angeklagten „völlig kalt“ gelassen habe.
Der Angeklagte ist ein Familientyrann, der in einer unglaublich gewalttätigen Art und Weise auf seine eigene Tochter losgegangen ist.
Karin Dragosits, Staatsanwältin
„Das war nicht richtig von mir“
Der Vater bestritt im Prozess die Vorwürfe nur zaghaft. „Es gibt dieses eine Video. Dazu stehe ich“, sagte er. Seine Drohungen versuchte er jedoch zu erklären: „Schläge angedroht habe ich ihr nur, weil das die einzige Sprache ist, die sie versteht. Das war nicht richtig von mir.“ Die Verteidigung sprach von einem „milieubedingten Streit“ und verwies darauf, dass die Tochter die Drohungen nie ernst genommen habe.
Schuldspruch wegen schwerer Nötigung
Am Ende musste das Gericht entscheiden, ob die Szenen auf dem Video lediglich das Ergebnis eines völlig eskalierten Familienstreits waren – oder strafbare Gewalt und Einschüchterung eines Vaters gegenüber seiner eigenen Tochter. Richter Theo Rümmele sprach den Angeklagten schuldig wegen schwerer Nötigung und verhängte eine Geldstrafe von 20.000 Euro. Die Hälfte davon auf Bewährung.
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