Sommer als Indikator

Teuerung ändert Taktiken von Wiener Heimwerkern

Wien
21.06.2026 07:00

Der Wiener Bau- und Heimwerkerhandel kann sich nicht beklagen: Gerade die Sommermonate kurbeln die Umsätze an, trotz und gerade auch wegen der Teuerung: Die Branche spürt an veränderten Zielsetzungen und Vorgehensweisen von Heimwerkern genau, wie und woran gespart wird.

Von der Holzlasur über den Gartenschlauch bis zu neuen Tapeten: Der Sommer ist die umsatzstärkste Zeit für die 250 spezialisierten Bau- und Heimwerkerhändler und insgesamt 25 große Baumärkte in der Stadt – viele investieren sowohl ihre Urlaubstage als auch ihr Urlaubsgeld in Renovierungen und Verschönerungen ihres Zuhauses.

„Finanzieller Aspekt spielt eine wesentliche Rolle“
Branchensprecher Klaus Schmidtschläger spricht von weiterhin hoher Nachfrage trotz der Teuerung, und auch gerade deshalb: „Der finanzielle Aspekt spielt beim Do-it-yourself-Trend eine wesentliche Rolle.“ Außerdem spielt dem Bau- und Heimwerkerhandel in die Hände, dass das handwerkliche Gestalten des eigenen Umfelds als Hobby boomt. Statistisch gesehen gibt jeder Österreicher 844 Euro pro Jahr für das Heimwerken aus.

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Die Bereitschaft, das eigene Zuhause zu verschönern, bleibt trotz der gestiegenen Lebenskosten hoch.

WKW-Branchenobmann Klaus Schmidtschläger

Angespannte finanzielle Rahmenbedingungen haben jedoch den Charakter der in Angriff genommenen Projekte geändert. Schmidtschläger beobachtet, dass „vor allem dort investiert wird, wo der Nutzen täglich spürbar ist“, also bei der Aufwertung, Modernisierung und Verschönerung jener Bereiche, in denen man sich gern und oft aufhält – etwa mit neuen Anstrichen sowie Begrünung und Sonnenschutz für Balkone und Terrassen.

Projekte werden zusehends in Etappen geteilt
Schmidtschläger merkt den Spardruck auch in einer anderen Weise auf den Einkaufslisten der Kunden. Laut ihm werden Vorhaben inzwischen „oft über einen längeren Zeitraum hinweg in mehreren Etappen umgesetzt, so bleibt die finanzielle Belastung überschaubar und Projekte können flexibel an die eigenen Möglichkeiten angepasst werden.“ Auch das Ausleihen von Geräten wird inzwischen weit öfter in Anspruch genommen als früher.

Der Fachhandel im Heimwerkersektor zeigt sich zudem einigermaßen resistent gegen die vermeintliche Allmacht von Online-Händlern. Dafür sorgen nicht nur Services wie der Zuschnitt von Holz, sondern auch die Beratung. Kunden würden sich zwar zusehends genau im Internet informieren – die persönliche Beratung bleibe jedoch „ein entscheidender Faktor“, bevor man selbst zu Malerpinsel, Hammer, Säge und Bohrer greift.

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