Wie schon im vergangenen Jahr steht die Verbindung zwischen Schladminger und Hallstätter Gletscher am Dachstein auch heuer wieder kurz davor, gänzlich zu schmelzen. Der Gletscherschwund ist nirgends in Österreich so klar sichtbar wie am höchsten Berg der Steiermark. Die „Krone“ hat sich die Lage angesehen.
Die Sonne scheint, der Himmel ist blau. Das Thermometer zeigt 17 Grad. Es klingt wie ein herrlicher Frühlingstag. Das Problem: Wir befinden uns am höchsten Berg der Steiermark, auf rund 2700 Metern. Unter unseren Füßen schmilzt der Schnee, die Jacke im Rucksack haben wir umsonst mitgenommen. Noch präsentiert sich der Schladminger Gletscher am Dachstein als weiße Landschaft, in wenigen Wochen werden graue Felsformationen die voranschreitende Gletscherschmelze aber erneut deutlich machen.
„Letztes Jahr ist es sich knapp ausgegangen, dass die etwa 3500 Jahre alte Verbindung zwischen Schladminger und Hallstätter Gletscher nicht vollständig geschmolzen ist. Wir gehen davon aus, dass das heuer aber sehr wohl der Fall sein wird“, sagt Planai-Geschäftsführer Peter Weichbold mit Blick auf den noch schneebedeckten Weg.
Was ist unter dem Eis?
Durch sogenanntes „Snowfarming“ gelang es im vergangenen Sommer, die Verbindung zu erhalten: „Der Dachstein ist ein Naturschutz- und Europaschutzgebiet. Die Naturschutzbehörde verbietet uns, den Gletscher künstlich durch Beschneiung zu erhalten. Wir dürfen aber den Naturschnee herumschieben. Im letzten Sommer haben wir ihn dann auf die Verbindung geschoben, das hat funktioniert“, erklärt Weichbold.
Zwischen dem Schnee am Übergang kommen aber bereits wieder Felsen zum Vorschein. Weil die Verbindung noch nie vollständig verschwunden war, kennt niemand die Felsformation darunter: „Das stellt uns vor eine große Herausforderung. Wir wissen nicht, ob es tiefe Spalten gibt, oder ob man dann einfach auf den Felsen gehen kann.“ Die Situation wird deshalb genaustens beobachtet. Ziel ist es, den Übergang zu erhalten, um Besuchern weiterhin Gletscherwanderungen bis zur Seethalerhütte zu ermöglichen.
Vier Meter Schnee: Zu wenig für eine Erholung
Erst kürzlich schneite es am höchsten Berg der Steiermark. Prinzipiell ist das ein gutes Zeichen: „Der Schnee im Frühjahr und Sommer hilft dem Gletscher aber nicht viel“, hält Weichbold fest. Aufgrund der zu hohen Temperaturen am Berg kann sich dieser Schnee nämlich nicht verdichten und den Gletscher nicht wieder aufbauen. Anders wäre es mit ordentlichen Schneemengen im Winter: „In der kalten Jahreszeit kann sich der Neuschnee verbinden und gefrieren. Dann kann sich der Gletscher wieder erholen.“
Wir gehen davon aus, dass die Verbindung heuer zur Gänze schmilzt. Wenn der Weg nicht mehr präpariert werden kann, ist er nur noch für Bergsteiger zugänglich.

Peter Weichbold, Planai-Geschäftsführer
Bild: Jürgen Fuchs
Etwa drei bis vier Meter schneite es im vergangenen Winter am Dachstein. Deutlich weniger als noch vor einigen Jahren: „Früher waren acht bis zehn Meter die Norm. Auch im Sommer hat es am Berg immer geschneit, wenn es im Tal geregnet hat. Inzwischen kann es dann aber auch auf den Gletscher regnen, das hilft nicht gegen den Gletscherschwund.“
Eine aktuelle Messung, die anhand einer neuen Technologie mit Drohnen durchgeführt wurde, zeigt, dass der Schladminger Gletscher noch eine durchschnittliche Tiefe von 35 bis 40 Metern hat. Der Hallstätter Gletscher ist durchschnittlich etwa 25 Meter tief. In den vergangenen 20 Jahren haben beide drastisch abgenommen.
„Dort drüben gibt es eine Höhle, da konnte man vor 20 Jahren noch quasi eben über den Gletscher zum Einstieg spazieren. Jetzt kommt man nur noch über eine 40 Meter hohe Leiter zum Eingang“, erzählt Weichbold und deutet auf den Großen Koppenkarstein.
Wie lange es noch dauert, bis die Gletscher am Dachstein vollständig geschmolzen sind, kann man nicht genau sagen. Mit der derzeitigen Entwicklung des Klimawandels dürfte sich der Gletscherschwund aber auch in den nächsten Jahren nicht verlangsamen. Die Tage des ewigen Eis in der Steiermark dürften also gezählt sein...
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