Erster Festivalhöhepunkt im Innviertel: Bei den Rainbacher Spielen hatte das Volkstheaterstück „Im Schatten der Maulwurfshügel“ Premiere. Es basiert auf der Romantrilogie eines Innviertler Autors und führt zurück an den Beginn des 20. Jahrhunderts – ein eindringliches Geschichtsdrama vom Land.
Die Rainbacher Spiele wagen einen Richtungswechsel: Erstmals seit 2004 werden nicht Stoffe aus dem Alten oder Neuen Testament gezeigt, sondern ein neues Volkstheaterstück.
„Im Schatten der Maulwurfshügel“ hatte bei den Rainbacher Spielen eine lange beklatschte Uraufführung. Es basiert auf den ersten Teilen von Friedrich Ch. Zauners (1936-2022) Romantetralogie „Das Ende der Ewigkeit“ und führt zurück an den Beginn des 20. Jahrhunderts – in das Leben am Land zwischen Tradition und Ungewissheiten.
Regisseurin Babett Arens komprimierte den epochalen Innviertelroman zu einem dreistündigen Bühnenereignis mit einem ganz eigenen Charisma. Die stimmige Fassung kann als Geschichtsunterricht, echtes Sittenbild einer bäuerlich geprägten Gesellschaft und Liebesgeschichte in einem gesehen werden.
Ein Erzähler schlüpft in die Rolle des Autors
„Verrückter hätte dieses Jahrhundert gar nicht anfangen können“, liest Erzähler Florentin Groll auf der Bühne aus Zauners Buch. Er ist roter Faden und Erklärer, hält die Szenen zusammen und bringt nach hitzigen Dialogen mit seiner sonoren Stimme Ruhe zurück.
Das Dorf und die weite Welt
Und um ihn herum überschlagen sich die Ereignisse – vom ersten Zeppelin über das Attentat des Thronfolgerpaars bis hin zu den Schrecken des Ersten Weltkriegs. Alles wird aus einer dörflichen Perspektive erzählt, im Kolorit der Ortschaften Thal, Oed und Feg‘feuer.
Wie in Zauners Literatur wird das bäuerliche Leben ohne Schönfärberei auf die Bühne gebracht – rau, ehrlich und streng von Regeln geprägt.
Eine Inszenierung dieser Dichte wäre ohne die beeindruckende Leistung des Ensembles, bei dem viele Darstellerinnen und Darsteller gleich mehrere Rollen verkörpern, kaum denkbar.
Chor als tragendes Element im Stück
Für zusätzliche emotionale Tiefe sorgt die Musik von Komponist Matthias Deger: Seine Stücke und Lieder, inspiriert von der alpenländischen Volksmusik, sind gekonnt in die Handlung eingewoben. Unter der Leitung von Lina vom Berg bringt der Juvenis Chor diese mit großer Intensität zum Klingen und schafft immer wieder eindringliche Gänsehautmomente.
Das Premierenpublikum war sichtlich begeistert und spendete lang anhaltenden Applaus, begleitet von begeisterten Jubelrufen. Im nächsten Jahr soll es die Fortsetzung geben.
Die Rainbacher Spiele haben „Im Schatten der Maulwurfshügel“ noch bis 5. Juli angesetzt, Spielort ist der im Theaterstadel Rainbach im Innkreis.
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