Saskia Bladt komponiert ein Musiktheater für die Donaufestwochen. Es geht um Künstliche Intelligenz und die gesellschaftliche Verantwortung – das Libretto steuert Philipp Blom bei. Die Musik von Johann Sebastian Bach spielt eine Hauptrolle. Die deutsche Komponistin hat außerdem den Strudengau lieb gewonnen, wie sie der „Krone“ verrät.
Wie passt die Musik von Johann Sebastian Bach mit Künstlicher Intelligenz (KI) zusammen? Und was macht KI mit uns Menschen?
Diese Fragen will das Musiktheater „Sophia – der Preis der Freiheit“ beantworten. Die Eigenproduktion der Donaufestwochen im Strudengau wird am Samstag, 1. August, auf Schloss Greinburg aus der Taufe gehoben.
Barockorchester trifft auf Vokalsolistenensemble aus Wien
Komponistin Saskia Bladt, deren Werke schon in Bayreuth zu hören waren, vertont ein Libretto von Philip Blom – und schöpft aus dem Werk von Bach. Hauptakteure sind das L’Orfeo Barockorchester und die Company of music. Die „Krone“ sprach mit Bladt über das Projekt.
„Krone“: Sie sind als „Composer in Residence“ auch sehr oft in Grein?
Saskia Bladt: Zum einen bin ich für die Proben der Bach-Oper, die ich musikalisch zusammengefügt habe, vor Ort. Zum anderen freue ich mich darauf, möglichst viele Menschen, Orte, Geschichten und Klänge kennenzulernen und zu sammeln.
Was mögen Sie am Strudengau? Und was essen Sie hier am liebsten?
Ich liebe Knödel! Ich habe in Grein aber auch schon sehr leckeres Eis entdeckt. Außerdem freue ich mich über die schöne Landschaft an der sich dort sanft windenden Donau.
Sie vertonen ein Libretto von Philipp Blom, ein Denker und Autor. Könnten Sie uns den Inhalt erzählen?
Philipp Blom hat sich die Frage gestellt, was unseren Horizont heute formt. Für viele Menschen ist das nicht mehr die Kirche, sondern die KI. Sie befragen sie zu allen Themen in allen Lebenslagen.
Und wie wird das in der Oper weitergedacht?
Der zentrale Konflikt verläuft zwischen Effizienz und Menschlichkeit, zwischen Sicherheit und Freiheit. Das sind Fragen, die wir heute bereits diskutieren: Wem vertrauen wir? Algorithmen, Autoritäten oder dem eigenen Urteil? Das Stück verhandelt diese Themen nicht abstrakt, sondern sehr unmittelbar.
Inwiefern spiegelt die Oper heutige gesellschaftliche Spannungen wider?
Es geht letztlich um die Frage nach verantwortungsvollem, menschlichem Handeln. Das ist sicherlich eine der größten Fragen unserer Zeit und unserer westlichen Gesellschaft: Kann ich mein Handeln und den daraus folgenden Vorteil auch der Gesellschaft gegenüber verantworten? Wir sind an einem Punkt, an dem wir nicht zugunsten eines individuellen Profits riskieren sollten, beispielsweise die Kontrolle über die Technik zu verlieren.
Verraten Sie uns: Wie passt Bach mit KI zusammen?
Da sich Bachs Werk zum großen Teil in die göttliche Ordnung einfügt (Anm. Bachs strukturiertes Werk galt im Barock als musikalischer Spiegel der göttlichen Ordnung), war es für Philipp Blom naheliegend, diese Übertragung zu vollziehen.
Wie entwickeln Sie die Musik, also die Partitur?
Ich habe mir zwei klare Regeln gesetzt: ausschließlich mit den Klängen Bachs zu arbeiten und die dem Werk innewohnenden Qualitäten in unsere heutige Welt zu übertragen. In Bachs Werk selbst findet sich das vollständige Ausgangsmaterial für unsere neue Oper.
Worauf freuen Sie sich, wenn Sie an die Uraufführung denken?
Ich freue mich darauf, dass alles in Resonanz kommt, und hoffe, dass am Ende Akteure, Publikum, der Ort und Bach miteinander schwingen – deswegen komponiere ich.
Die Donaufestwochen im Strudengau von 24. Juli bis 15. August 2026 gelten als Festival für Alte Musik und neue Begegnungen. Seit dieser Saison ist Johannes Hiemetsberger (Chorus sine nomine, Company of music) der Intendant.