Ein umfassendes Maßnahmenpaket rund um das Jedmayer Grätzel in Wien kann die Probleme noch nicht lösen, berichten Anrainer. Das sah auch die „Krone“ bei einem Lokalaugenschein.
Seit über einem Jahrzehnt sorgt das Suchthilfezentrum Jedmayer für Probleme im umliegenden Grätzel. Anfang Mai wurde endlich ein umfassendes Maßnahmenpaket in Kraft gesetzt, inklusive Schutzzone rund um die U6-Station Gumpendorfer Straße, zudem wird der Fritz-Imhoff-Park in der Nacht versperrt, wir berichteten.
Mit Spritze am Spielplatz
Bei einem „Krone“-Lokalaugenschein an einem Nachmittag zeigt sich: Vor der U-Bahn-Station sind nach wie vor Süchtige dabei, Drogenersatzstoffe zu verkaufen. Im Fritz-Imhoff-Park ist die Lage laut Anrainern nicht mehr ganz so dramatisch, dennoch sind innerhalb von 30 Minuten etwa zehn Suchtkranke zu sehen, die dort oder davor konsumieren. Ein junger Mann hatte seine Spritze direkt am Spielplatz bereits in der Hand, als ihn ein Vater mit Kleinkind aufforderte zu gehen.
Keine Kapuze oder Kopfhörer
Solche Szenen kennen die Anrainerinnen Cornelia P. und Martina Hammerer, Vorsitzende der ÖVP-Frauen im Bezirk, nur zu gut. „Ich erlaube meinem 15-jährigen Sohn nicht, bei der Station eine Kapuze oder Kopfhörer zu tragen. Den Jüngeren lasse ich dort alleine gar nicht gehen“, schildert Cornelia P.
Sie musste bereits erleben, wie ihr Älterer von einem Drogenkranken gegen die Wand gedrückt wurde, weil er ihn verwechselt hatte. Es ging um Bier.
In ihrem Genossenschaftswohnhaus wurde UV-Licht im Keller installiert, da Süchtige mehrmals einbrachen. Das soll erschweren, dass sie ihre Venen sehen – ein Plus bei den Betriebskosten von 15.000 Euro.
„Drogenkranke nicht nur verwalten“
Hammerer: „Die Stadt muss endlich etwas tun und die Last der Suchthilfe auf mehrere Standorte aufteilen. Und wir dürfen Drogenkranke nicht nur verwalten, sondern müssen Lösungen finden.“
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