Zwei Albaner mussten sich am Mittwoch vor Gericht in Feldkirch (Vorarlberg) verantworten. Als sogenannte Läufer sollen sie Kokain geschmuggelt haben. Dabei hat ein Auto eine entscheidende Rolle gespielt.
Ein unscheinbar abgestelltes Auto in Bregenz soll das Herzstück eines mutmaßlichen Kokain-Netzwerks gewesen sein. Laut Anklage diente der Wagen als geheimes Drogenlager, aus dem Bestellungen direkt an Kunden ausgeliefert wurden. Dafür mussten sich am Mittwoch zwei Albaner vor dem Schöffensenat am Landesgericht Feldkirch verantworten.
Staatsanwalt Simon Mathis zeichnete ein Bild eines professionell organisierten Systems: Kokain sei über eine Telegram-Nummer in anonymen, selbstlöschenden Chats bestellt worden. Die Ware habe in einem sogenannten Bunkerfahrzeug in Bregenz gelagert und sei anschließend mit Mietautos an die Abnehmer geliefert worden. Die Angeklagten sollen dabei als „Läufer“ für eine albanische Tätergruppierung gearbeitet haben. Aufgedeckt wurde die Sache durch einen aufmerksamen Bürger. Ihm war aufgefallen, dass immer wieder unterschiedliche Männer ein Auto mit St. Galler Kennzeichen aufsuchten. Einige legten Gegenstände hinein, andere holten kurz darauf wieder etwas heraus. Der Mann verständigte die Polizei.
„In der oberen Hierarchie“
Die Ermittler observierten das Fahrzeug und stießen laut Anklage auf einen internationalen Kokainring, dessen „Zentrale“ im spanischen Lloret del Mar liegen soll. Dort hatte auch der Erstangeklagte seinen Hauptwohnsitz. Richterin Verena Wackerle sah ihn „in der oberen Hierarchie der kriminellen Vereinigung“. Dem Mann wurde der Schmuggel von 32 Gramm Kokain sowie der Konsum von 30 Gramm angelastet. Der Zweitangeklagte räumte ein, wegen seiner aussichtslosen wirtschaftlichen Lage in Albanien nach Österreich gekommen zu sein, um mit Drogenhandel Geld zu verdienen. Das Gericht ging bei ihm von rund eineinhalb Kilogramm Kokain im Wert von etwa 150.000 Euro aus. Beide Männer wurden am 22. Dezember festgenommen – der Erstangeklagte bei einer Polizeikontrolle im schweizerischen Kriessern, der Zweitangeklagte in Vorarlberg. Vor Gericht bestritten beide, Teil einer kriminellen Vereinigung gewesen zu sein.
Man habe sich lediglich zweimal flüchtig gesehen. Zu möglichen Hintermännern schwiegen die Angeklagten auf. Anraten ihrer Verteidiger. Mehrere Zeugen, darunter Drogenkunden, belasteten die Männer jedoch im Vorfeld der Verhandlung schwer. Das Urteil: drei Jahre Haft für den Erstangeklagten, vier Jahre Gefängnis für den Zweitangeklagten. Beide Verteidiger kündigten Rechtsmittel an. Auch die Staatsanwaltschaft meldete Berufung zum Nachteil der Angeklagten an.
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