„Ich halte zwar den Weltrekord und habe die Majors gewonnen, aber ich bin nicht der aktuelle Weltmeister. Das werde ich auch so spielen.“ Alexander Rončević zählt bei der HYROX-WM in Stockholm am kommenden Wochenende (18. bis 21. Juni) zum engsten Favoritenkreis. Der 33-jährige Wiener reist mit breiter Brust an, sieht sich selbst aber lieber als Jäger denn als Gejagter.
Wenn Alexander Rončević über die bevorstehende HYROX-Weltmeisterschaft spricht, klingt er nicht wie jemand, der sich von Erfolgen blenden lässt. Dabei hätte der Wiener allen Grund dazu. Die Saison verlief nahezu perfekt, der Weltrekord wurde zurückerobert, Major-Siege gesammelt und der Status als einer der besten Athleten der Welt weiter gefestigt. Trotzdem bleibt der Blick nach vorne gerichtet. „Ich glaube schon, dass ich einer der großen Mitfavoriten bin“, sagt Rončević im Gespräch mit „Sportkrone.at“. „Es sind nicht nur die Rekorde und Siege, sondern auch die Erfahrung. Das ist meine siebte Weltmeisterschaft. Keiner hat so viele Majors bestritten wie ich, keiner so viele gewonnen.“
Trotzdem geht der Österreicher mit einer besonderen Ausgangslage nach Stockholm. Anders als im Vorjahr reist er nicht als amtierender Weltmeister an. Genau das könnte ein Vorteil sein. „Ich bin lieber der Jäger als der Gejagte“, erklärt Rončević . „Ich halte zwar den Weltrekord und habe die Majors gewonnen, aber ich bin nicht der aktuelle Weltmeister. Das werde ich auch so spielen.“
Ein Wettkampf für die Fitness-Szene
Was der Marathon für Läufer und der Ironman für Triathleten ist, das wird HYROX zunehmend für die Fitness-Szene. Die Kombination aus Ausdauer, Kraft und Wettkampfcharakter macht diese Sportart für Tausende Athleten weltweit attraktiv. Während man im Fitnessstudio oft nur für sich selbst trainiert, bietet HYROX klare Ziele: die eigene Bestzeit, die Qualifikation für eine Weltmeisterschaft oder der direkte Vergleich mit den Besten der Welt.
Genau diese Entwicklung hat auch Rončević miterlebt. Als er seine ersten Rennen bestritt, war HYROX noch eine kleine Szene. Heute absolvieren Athleten aus aller Welt Rennen, Arenen sind ausverkauft und die Weltmeisterschaft wird zum Prestigeevent. Aus einer Fitness-Idee wurde längst eine ernstzunehmende globale Sportart.
HYROX ist ein Wettkampf, bei dem Laufen und funktionelles Krafttraining kombiniert werden.
Die Laufstrecke beträgt acht Kilometer. Nach je einem Kilometer sind Übungen vorgesehen:
1. Skiergometer
2. Schlittenschieben
3. Schlittenziehen
4. Burpee Broad Jumps
5. Ruderergometer
6. Farmers Carry
7. Sandbag Lunges
8. Wallballs
2017 wurde HYROX in Hamburg vom dreimaligen Moritz Fürste und Event-Unternehmer Chrstian Tötzke „erfunden“. Gestartet wird entweder im Einzel, im Double oder im Mixed-Double. Je nachdem, in welcher Kategorie, gibt es unterschiedliche Gewichte für die Stationen. Mittlerweile stehen pro Saison über 100 Rennen in über 100 Städten weltweit auf dem Programm, an denen bereits über eine Million Menschen pro Saison teilnehmen.
Eine Saison für die Geschichtsbücher
Für Rončević hätte die Saison kaum besser laufen können. Bereits zum Saisonauftakt gewann der Wiener den prestigeträchtigen Hamburg Major und stellte mit einer Zeit von 53:15 Minuten einen neuen HYROX-Weltrekord auf. Dieser wurde im Laufe der Saison jedoch noch unterboten. Im Jänner legte er beim Phoenix Major nach und sicherte sich in 53:16 Minuten den nächsten Major-Sieg. Für den nächsten Meilenstein sorgte Rončević im März bei den HYROX-Europameisterschaften in London. Gemeinsam mit Tim Wenisch gewann er den Titel im Pro Doubles und stellte mit 47:40 Minuten eine neue Bestmarke auf. Beim Major in Warschau lief Rončević in 51:59 Minuten als erster Athlet überhaupt unter die magische 52-Minuten-Marke und holte sich damit den Sieg und seinen Weltrekord zurück.
Drei von vier Major-Siegen (in Melbourne war Rončević nicht am Start) und zwei Weltrekorde – es ist also kein Wunder, dass der Red-Bull-Athlet in Stockholm als Mann gesehen wird, den es zu schlagen gilt.
„Mindestens ein Podium“
Druck für die WM spürt Rončević kaum. „Eigentlich gar nicht“, sagt er. Auch deshalb, weil er sich mittlerweile ein stabiles Umfeld aufgebaut hat. Sponsoren, Partner und sein Team hätten ihn auch schon vor Erfolgen unterstützt und seien auch nach Rückschlägen an seiner Seite geblieben. Seine Erwartungen an die WM formuliert der 33-Jährige dennoch klar. „Wenn alles gut läuft und ich alles geben kann, dann muss das mindestens ein Podium sein“, sagt Rončević. „Natürlich wäre alles andere enttäuschend. Aber wenn ich danach sagen kann, dass an diesem Tag einfach nicht mehr drin war, dann gehe ich wieder zurück an die Arbeit und hole mir das beim nächsten Rennen.“
Die stärksten Rivalen
Den Kreis der Titelanwärter sieht Rončević heuer so stark wie selten zuvor. Ganz oben auf seiner Liste steht freilich der amtierende Weltmeister Tim Wenisch. „Der ist nicht umsonst Weltmeister geworden.“
Dazu kommen die US-Stars Hunter McIntyre und Dylan Scott, der Kanadier Cole Learn sowie der Australier James Kelly. „Die Top 15 sind einfach Biester. Jeder von ihnen hat das Potenzial, ganz vorne mitzulaufen“, so Rončević.
Vom Hobby zum Vollzeit-Profi
Seit seinem WM-Triumph 2024 hat sich bei Rončević vieles verändert. Damals war HYROX noch deutlich kleiner, Sponsoren waren rar und trainiert wurde häufig nach Gefühl. Heute ist der Wiener Vollzeit-Profi. „Ich glaube, ich habe meinen Sponsoren gezeigt, dass ich einer bin, auf den man sich verlassen und mit dem man gut zusammenarbeiten kann. Und wenn die Leistung mal nicht passt, dass ich trotzdem stark zurückkomme. Deswegen glaube ich, dass das schon gut laufen wird die nächsten Jahre.“
An seiner Leidenschaft habe sich aber nichts geändert. „Es ist weiterhin genau dasselbe Feuer da. Ich gehe genauso mit derselben Einstellung in jede einzelne Trainingssession.“
Für die Professionalität und die Struktur sorgen seine beiden Coaches. Lauftrainer Wilhelm Lilge kümmert sich um die Feinheiten im Running-Bereich, während Kraft- und HYROX-Coach Thiago in Portugal den Feinschliff übernimmt. „Ich brauche gar nicht viele Tipps. Zwei kleine Hinweise reichen oft schon. Dann arbeite ich daran und werde besser.“
Die Zusammenarbeit läuft dabei zum großen Teil digital ab: Mit der App „TrainingPeaks“ können Trainingspläne hochgeladen und Feedback gegeben werden. Laut Roncevic ist das Training heute strukturierter, abwechslungsreicher und deutlich professioneller als noch vor zwei Jahren.
„Rocky“ für die Nervosität
Kurz vor dem Rennstart hat der Red-Bull-Athlet mittlerweile seine festen Abläufe gefunden. Rund 45 Minuten vor dem Rennen beginnt das Warm-up, danach folgt der letzte Gang zur Toilette, ein Gel – und die passende Musik: „Meistens irgendwas in Richtung Rocky“, lacht Rončević. Seine Gedanken vor dem WM-Rennen? „Die Saison war geil. Du hast gut trainiert, warst gesund und verletzungsfrei. Jetzt geh raus und zeig, was du kannst.“
Während des Rennens schaltet der Wiener schnell in den Taktik-Modus. „Ich denke ständig darüber nach, wer gerade was macht, wo ich attackieren kann oder wo es klüger ist, noch zu warten.“
Red Bull, neue Projekte und ein Sommer zum Durchatmen
Nach der WM wartet zunächst eine wohlverdiente Pause. Besonders Autos haben es ihm angetan. Gemeinsam mit seinem Vater schraubt er regelmäßig an einem alten VW-Bus. „Der alten Lady fehlt immer ein bisschen was. Die braucht ein bisschen Liebe“, sagt er lachend. Auch gemeinsame Radtouren mit Freunden gehören für den Wiener zum Abschalten dazu. Besonders viel Kraft geben ihm aber seine Freundin und die Spaziergänge mit seinem Hund. „Die genieße ich.“ Gerade diese Balance zwischen Leistungssport und Alltag sieht Rončević als einen wichtigen Baustein für seinen Erfolg.
Neuer „On“-Schuh im August
Abseits der Strecke laufen bereits die Planungen weiter. Die Zusammenarbeit mit Red Bull dürfte fortgesetzt werden, Gespräche über neue Projekte laufen. Ab August wird zum Beispiel ein neuer Schuh von „On“ für HYROX erhältlich sein, an dessen Entwicklung Rončević mit seiner Expertise mitwirkte.

Der große Traum
Wenn Rončević am Ende der Weltmeisterschaft über die Ziellinie läuft, dann wünscht er sich vor allem eines: „Ein gutes Gefühl. Das Gefühl, alles gegeben zu haben. Und im besten Fall darf ich den Gong schlagen und bin wieder Weltmeister.“
Mit „Rocky“ im Ohr, jeder Menge Erfahrung im Gepäck und der Ruhe eines Seriensiegers will Österreichs HYROX-Aushängeschild genau das schaffen.
Die Bühne dafür in der Strawberry Arena von Stockholm ist jedenfalls bereitet ...
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