Antrag von 23 Staaten

„Sniper-Touristen“: Europarat soll untersuchen

Außenpolitik
17.06.2026 13:43
Porträt von krone.at
Von krone.at

In mehreren Ländern ermitteln bereits die Behörden gegen mutmaßliche „Sniper-Touristen“, die während des Bosnienkriegs gegen hohe Summen von serbischen Scharfschützenpositionen aus auf Zivilisten in der Hauptstadt Sarajevo geschossen haben sollen. Nun formiert sich eine Allianz von Staaten, die eine internationale Untersuchung fordern.

Abgeordnete aus 23 Ländern der Parlamentarischen Versammlung des Europarates sprechen sich für ein Untersuchungsverfahren aus. Die formelle Voraussetzung für ein parlamentarisches Verfahren sind somit erfüllt. Die bosnische Regierungspartei Naša Stranka (NS) begrüßte den Entschluss für eine Untersuchung und teilte in einer Erklärung mit, dies sei ein bedeutendes Zeichen dafür, dass in Europa eine breite Bereitschaft bestünde, die Vorwürfe über eine internationale Beteiligung an Kriegsverbrechen während der Belagerung Sarajevos ernsthaft zu untersuchen.

Zerstörte Fahrzeuge auf der sogenannten „Sniper Alley“ im Zentrum der bosnischen Hauptstadt ...
Zerstörte Fahrzeuge auf der sogenannten „Sniper Alley“ im Zentrum der bosnischen Hauptstadt Sarajevo(Bild: AFP/Christophe SIMON)

Diese Länder haben sich der Initiative angeschlossen
Es handle sich um eine Frage, die über die Grenzen Bosnien und Herzegowinas hinausginge und die Zusammenarbeit von Institutionen mehrerer Staaten im Interesse von Gerechtigkeit und der Würde der Opfer erforderte, erklärte die Partei weiter. Parteivorsitzende Sabina Ćudić gab bekannt, dass bis Anfang September ein Berichterstatter mit der Erstellung eines Berichts beauftragt werden solle. In weiterer Folge könnte die Parlamentarische Versammlung des Europarates eine Resolution zu den mutmaßlichen internationalen Verbrechen verabschieden.

Parlamentarier aus Großbritannien, Griechenland, Nordmazedonien, Andorra, der Schweiz, Belgien, Deutschland, Italien, Albanien, Dänemark, Frankreich, Schweden, den Niederlanden, der Türkei, der Slowakei, Estland, Litauen, Monaco, der Ukraine, Rumänien sowie aus Kroatien, Slowenien und Montenegro haben sich der Initiative angeschlossen.

Mitte Mai war bekannt geworden, dass auch die österreichische Justiz im Zusammenhang mit dem Fall „Sarajevo Safari“ seit Ende April gegen zwei österreichische Staatsbürger ermittelt. Die Verdächtigen sollen Hinweisen nach während der Belagerung Sarajevos als sogenannte Wochenend-Scharfschützen auf Zivilisten geschossen haben.

Aufrüttelnder Dokumentarfilm „Sarajevo Safari“
Seit dem Dokumentarfilm „Sarajevo Safari“ des slowenischen Regisseurs Miran Zupanič aus dem Jahr 2022 waren verstärkt Mutmaßungen über Reisen von „Wochenend-Scharfschützen“ in den Jahren 1993 bis 1995 angestellt worden. Diese sollen während des Bosnien-Kriegs den damaligen bosnisch-serbischen Streitkräften hohe Summen gezahlt haben, um in Sarajevo einige Tage auf Zivilisten schießen zu können.

Intensiv mit dem Thema befasst sich auch der italienische Enthüllungsjournalist Ezio Gavazzeni, der mittlerweile auch ein Buch dazu herausgebracht hat. Neue Impulse für Ermittlungen im Ausland erhofft sich der Schriftsteller von der Übersetzung seines Buches, das demnächst in acht Sprachen erscheinen soll. Die Veröffentlichung des Buches in deutscher Sprache beim Kopp Verlag sei im Sommer geplant. „Viele ausländische Verlage wollen die Rechte für das Buch erwerben. Dies gibt mir Anlass zur Hoffnung, dass die Ermittlungen sich bald auch auf andere Länder ausdehnen werden“, erklärte Gavazzeni vor Kurzem in einem APA-Interview.

Enthüllungsjournalist Ezio Gavazzeni mit seinem Buch
Enthüllungsjournalist Ezio Gavazzeni mit seinem Buch(Bild: APA/AFP/FILIPPO MONTEFORTE)

Enthüllungsjournalist wehrt sich gegen Vorwürfe
Der Autor bestritt, dass sein Buch keine handfeste Beweise enthalte und lediglich auf Gerüchten beruhe. „Meine Quellen sind selbst zur Mailänder Staatsanwaltschaft gegangen und haben dort ihre Aussagen bestätigt, die sie zuvor auch mir gegenüber gemacht haben. Sie haben sich dabei persönlich zu ihren Angaben bekannt und Verantwortung für ihre Aussagen übernommen. Aus diesem Grund handelt es sich hier nicht um bloße Gerüchte, sondern um Informationen, die auch gegenüber den zuständigen Jusitzbehörden wiederholt wurden“, so Gavazzeni.

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