Ermittlungen laufen

Auch Österreicher als „Sniper-Tourist“ in Bosnien?

Innenpolitik
19.05.2026 11:01

Nun wird im Rahmen der Ermittlungen zu mutmaßlichen „Sniper-Touristen“ während des Bosnienkriegs auch eine österreichische Spur verfolgt. Nach einer parlamentarischen Anfrage durch die grüne Justizsprecherin Alma Zadić hat die Staatsanwaltschaft im April Ermittlungen gegen einen österreichischen Staatsbürger und einen weiteren unbekannten Täter eingeleitet.

Dem Vernehmen nach gibt es valide Verdachtsmomente gegen die beiden. Der Österreicher soll während des Bosnienkriegs (1992 bis 1996) nach Sarajevo gereist sein, um dort während der Belagerung der Hauptstadt durch die serbische Armee und mit ihr verbündeter Milizen als Scharfschütze auf Zivilisten zu schießen. Getarnt sollen die „Sniper-Safaris“ als Jagdtouren am Balkan gewesen sein.

Die frühere grüne Justizministerin Alma Zadić wandte sich mit einer parlamentarischen Anfrage zu ...
Die frühere grüne Justizministerin Alma Zadić wandte sich mit einer parlamentarischen Anfrage zu den „Sarajevo Safaris“ an das Justizministerium.(Bild: APA/HANS KLAUS TECHT)

Anstoß, tiefer zu graben, gab Dokumentarfilm „Sarajevo Safari“
In Italien laufen bereits seit einigen Monaten ähnliche Ermittlungen gegen Staatsbürger des Nachbarlandes. Eingeleitet wurden diese nach einer Anzeige des Mailänder Schriftstellers Ezio Gavazzeni. Laut Gavazzeni beteiligten sich auch Bürger aus Österreich und Deutschland an den „Menschen-Safaris“ in Sarajevo. „Jedes Land, auch Österreich, sollte Ermittlungen einleiten, wie wir es in Italien getan haben. Jedes Land sollte seine Hausaufgaben machen“, sagte der 66-jährige Gavazzeni im Februar im Gespräch mit der APA in Rom.

Mittlerweile hat der Enthüllungsjournalist auch ein Buch zu den Touren verfasst, dessen Inhalt Ausgangspunkt für die italienischen Ermittlungen waren. Schon 1995 hatten zwei italienische Tageszeitungen über angebliche Touristen-Scharfschützen in Bosnien berichtet, und diese Artikel waren Gavazzeni aufgefallen. Doch den Anstoß, tiefer zu graben und Zeugen zu finden, gab ihm der 2022 erschienene Dokumentarfilm „Sarajevo Safari“ des slowenischen Regisseurs Miran Zupanic.

Autor: Teilnehmer zahlten bis zu 300.000 Euro für ein Wochenende
In dem Film, basierend auf Aussagen anonym bleibender Geheimdienstmitarbeiter, ist die Rede von reichen Ausländern, die dafür bezahlt hätten, auf Menschen in Sarajevo zu schießen. „Der Dokumentarfilm ist am ganzen Balkan und in vielen afrikanischen Ländern ausgestrahlt worden. Ich frage mich, warum kein westliches Fernsehen die Rechte für diesen Film gekauft hat“, kritisierte Gavazzeni.

Die Scharfschützen waren laut Gavazzeni wohlhabende Menschen, die bis zu 300.000 Euro für ein Wochenende auf dem Hügel in Sarajevo zahlen konnten. Es gab keine politischen oder religiösen Motive. „Es waren reiche Leute, die dorthin gingen, um Spaß zu haben. Wir sprechen von Menschen, die Waffen lieben und vielleicht auch auf Safari nach Afrika fahren. Für solche Menschen ist das Schießen wie ein Videospiel, es ist für sie egal, ob sie ein Tier, eine Frau, einen alten Menschen, oder ein Kind treffen. Sie kennen nur die Sprache des Geldes“, betonte der Autor.

Serbiens Präsident ebenfalls im Visier
Seit dem Vorjahr gibt es auch eine Anzeige gegen den serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić. Der kroatische Journalist Domagoj Margetić hatte Beweismaterial in den sozialen Medien veröffentlicht, aus dem hervorgeht, dass Vučić – damals ein junger Freiwilliger – an einem der militärischen Stützpunkte in Sarajevo anwesend war, von denen aus nach Zeugenaussagen ausländische Staatsbürger und serbische ultranationalistische Einheiten auf Zivilpersonen geschossen haben sollen. 

Die Belagerung von Sarajevo ist eine der blutigsten Episoden des Krieges in Bosnien-Herzegowina. Der Bosnienkrieg kostete rund 100.000 Menschen das Leben, in Sarajevo starben 11.000 Menschen.

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