Gegen deutsches Medium

„Sniper-Tourist“ in Sarajevo? Vucic gewann Klage

Außenpolitik
01.06.2026 10:35

In mehreren Ländern – darunter auch in Österreich – wird mittlerweile gegen mutmaßliche „Sniper-Touristen“ ermittelt, die während des Bosnienkriegs gegen hohe Summen von serbischen Scharfschützenpositionen aus auf Zivilisten in der Hauptstadt Sarajevo geschossen haben sollen. Die Mailänder Staatsanwaltschaft beschäftigt sich auch mit einer Anzeige gegen Serbiens Präsident Aleksandar Vučić. Dieser wehrt sich gegen die Vorwürfe und hat nun eine Klage in Deutschland gewonnen.

Ein Landgericht in Hamburg hat einem Bericht der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ dem deutschen Wochenmagazin „Spiegel“ eine einstweilige Verfügung erteilt, die es ihm untersagt, den serbischen Präsidenten mit der angeblichen „Menschenjagd“ während der Belagerung von Sarajevo in den Jahren 1992 bis 1995, auch bekannt als „Sarajevo Safari“, in Verbindung zu bringen. Laut Gerichtsbeschluss darf das Medium in seiner Berichterstattung nicht den Eindruck erwecken, Vučić sei an gezielten Tötungen von Zivilisten beteiligt gewesen.

Archivbild aus dem Jahr 1993: Zwei Frauen gehen in der als „Sniper Alley“ traurige Berühmtheit ...
Archivbild aus dem Jahr 1993: Zwei Frauen gehen in der als „Sniper Alley“ traurige Berühmtheit erlangten Straße in Sarajevo.(Bild: AFP/GABRIEL BOUYS)

Berichterstattung „einseitig und verletzt Persönlichkeitsrechte“
Die Berichterstattung des „Spiegel“ sei einseitig und verletze die Persönlichkeitsrechte des serbischen Präsidenten, heißt es weiter. Es wird dem Vernehmen nach auch untersagt, den kosovarischen Ministerpräsidenten Albin Kurti zu zitieren, der auf Grundlage von Medienberichten die Einrichtung eines internationalen Gerichtshofs gefordert hatte.

Kroatischer Journalist veröffentlichte „Beweise“
Ausgangspunkt der Vorwürfe waren Fotos und Videos, die der kroatische Enthüllungsjournalist Domagoj Margetić im Vorjahr veröffentlicht hatte. Diese sollen beweisen, dass Vučić – damals ein junger Freiwilliger – an einem der militärischen Stützpunkte in Sarajevo anwesend war, von denen aus nach Zeugenaussagen ausländische Staatsbürger und serbische ultranationalistische Einheiten auf Zivilpersonen geschossen haben sollen.

Der „Frankfurter Allegemeine“-Journalist Michael Martens kommt in seinem Artikel zum Gerichtsurteil zu dem Schluss, dass es mehr als genug physische und unbestreitbare Beweise für Vučić‘ politische Rolle und die Verbrechen Serbiens in den 1990er-Jahren gibt, darunter seine berüchtigte Aussage von 1995 („Für jeden getöteten Serben werden 100 Muslime getötet.“). Behauptungen, der serbische Präsident sei in eine kommerzielle „Menschenjagd“ verwickelt gewesen, entbehren seiner Ansicht nach jedoch jeder Grundlage.

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