Rechtsanwalt im Visier

Gauner-Abzocke wegen angeblich fehlender Vignette

Tirol
16.06.2026 18:00

Autofahrer aufgepasst! Falls eine Aufforderung der Asfinag wegen eines Vignettenvergehens bei Ihnen einlangt, nicht reagieren und ja nicht einzahlen. Das E-Mail stammt nämlich von dreisten Betrügern.

In Sachen Einfallsreichtum scheinen Betrüger keine Grenzen zu kennen. Immer wieder tauchen Phishing-Mails, also gefälschte Mails, auf, bei denen es nur um eines geht: Einem meist zufällig ausgewählten Opfer (finanziellen) Schaden zuzufügen. Aktuell ist ein angeblich von der Asfinag stammendes Mail im Umlauf, in dem Autofahrern ein Vignettenvergehen vorgeworfen wird. Sie werden darin zur umgehenden Zahlung eines relativ geringen Betrages aufgefordert, um einer hohen Verwaltungsstrafe zu entgehen.

Verführerisches Angebot, um Anzeige zu entgehen
Auch der bekannte Innsbrucker Rechtsanwalt Karl Hepperger staunte nicht schlecht, als er jüngst in seinem Mailordner folgendes Schreiben der Asfinag entdeckte: „Sehr geehrte(r) Fahrzeughalter(in). Im Rahmen der automatisierten Vignettenkontrolle auf dem hochrangigen österreichischen Straßennetz wurde festgestellt, dass für Ihr Kfz-Kennzeichen zum Zeitpunkt der Nutzung keine gültige Digitale Vignette im zentralen Mautregister der Asfinag hinterlegt war.“

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Mir kam die Sache sofort spanisch vor. Ein Mail an die Asfinag genügte, um Klarheit zu schaffen und zu wissen, dass es sich um fiese Abzocke handelt.

Rechtsanwalt Karl Hepperger

Weiters wurde im Schreiben darauf hingewiesen, dass dies eine Verwaltungsübertretung darstelle und laut §19 des Bundesstraßen-Mautgesetzes eine Ersatzmautforderung von 120 Euro fällig sei. Nun kommt es aber: „Aus Kulanzgründen und zur Vermeidung eines Verwaltungsstrafverfahrens (Geldstrafen bis zu 3000 Euro) bieten wir Ihnen die Möglichkeit, die Ersatzmaut durch den sofortigen Erwerb einer rückwirkenden Zehn-Tages-Vignette um 12,36 Euro abzuwenden.“

Anwalt Karl Hepperger fiel auf die miese Abzocke nicht hinein.
Anwalt Karl Hepperger fiel auf die miese Abzocke nicht hinein.(Bild: Christof Birbaumer)

Folglich wird man auf einen Link mit der Inschrift „Ersatzmaut jetzt bezahlen“ verwiesen und darauf hingewiesen, dass der Betrag in den nächsten drei Werktagen eingezahlt werden müsse, ansonsten ergehe automatisch eine Anzeige an die Bezirksverwaltungsbehörde.

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Klicken Sie keinesfalls auf die enthaltenen Links, antworten Sie dem Absender nicht und geben Sie keine vertraulichen Daten bekannt.

Antwort vom Asfinag-Kundenservice

Dem nicht genug, erhielt der Jurist noch ein zweites Mail von der Asfinag. Titel: „Wichtige System-Meldung: Maut-Status unklar.“ Dabei handelt es sich inhaltlich nahezu um die identen Aussagen und Forderungen, allerdings anders formuliert und unterzeichnet von einer gewissen Frau Sabine Huber vom Kundenservice der Asfinag.

Innsbrucker Jurist wandte sich direkt an Asfinag
Der erfahrende Innsbrucker Rechtsanwalt Hepperger fiel freilich nicht auf diese betrügerische Falle rein, sondern schrieb umgehend an die Asfinag ein kurzes Mail, indem er höflich darum bat, den Zeitpunkt seiner Vignettenverfehlung genannt zu bekommen. Es dauerte zwar einige Tage, aber die Antwort seitens der Asfinag war klar und deutlich: „Die Nachricht, auf welche Sie uns aufmerksam gemacht haben, stammt nicht von uns. Vielmehr handelt es sich um ein Phishing, das Ihnen in betrügerischer Absicht zugeschickt wurde. Klicken Sie keinesfalls auf die enthaltenen Links, antworten Sie dem Absender nicht und geben Sie keine vertraulichen Daten bekannt“, heißt es vom Kundenmanagement der Asfinag.

Übrigens: Eine 10-Tages-Vignette kostet 12,80 Euro, die Ersatzmaut bei einem Vergehen macht 200 Euro für Autolenker aus. Die Beträge im Mail waren also ebenfalls falsch.

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