„Unsere Fische sterben vor unseren Augen“ – Dramatischer Hilferuf aus Österreichs Flüssen.
Was sich derzeit unter der Wasseroberfläche abspielt, ist eine stille Katastrophe – und sie spielt sich fast unbemerkt vor unseren Augen ab. „Die letzten Fischschulen kämpfen in kleinen, aufgeheizten Wasserlöchern ums nackte Überleben – und trotzdem wird den Flüssen weiter Wasser entzogen.“ Mit diesem eindringlichen Appell schlägt Fischtierarzt Heinz Heistinger Alarm. Für den Experten ist klar: Österreichs anhaltende Hitze und Trockenheit bringen viele Flüsse an den Rand des ökologischen Kollapses.
Gefangen in den letzten Wasserlöchern
Aus einst lebendigen Fließgewässern sind vielerorts nur noch schmale Rinnsale geworden. Die wenigen verbliebenen Wasserbecken heizen sich unter der Sommersonne immer weiter auf, während der lebenswichtige Sauerstoff schwindet. Hunderte Fische drängen sich auf engstem Raum und kämpfen buchstäblich um jeden Atemzug.
„Unter diesen unnatürlichen Bedingungen breiten sich plötzlich Parasiten und bakterielle Erkrankungen aus, wie wir sie sonst fast nur aus der Aquakultur kennen“, warnt Heistinger, Chef des Österreichischen Kuratoriums für Fischerei und Gewässerschutz. Manche dieser Krankheitserreger könnten sogar für den Menschen gesundheitlich relevant sein. Auch die hygienische Qualität des Wassers verschlechtere sich zunehmend.
Jeder Liter Wasser kann Leben retten
Besonders unverständlich ist für den Fischtierarzt, dass trotz der dramatischen Lage stellenweise weiterhin Wasser für Kraftwerksanlagen aus den Flüssen ausgeleitet wird – obwohl die Stromproduktion bei den extremen Niedrigwasserständen vielerorts längst kaum noch wirtschaftlich ist.
Dass es auch anders geht, zeigen mehrere Kraftwerksbetreiber. Wie die „Krone“ berichtete, ließ zuletzt die EVN aus dem Stausee Ottenstein gezielt lebensrettendes Wasser in den Kamp ab, um das Überleben tausender Fische zu sichern. Auch einige Betreiber von Kleinwasserkraftwerken verzichten mittlerweile bewusst auf einen Teil der Stromerzeugung und speisen das kostbare Nass wieder direkt in die Flüsse. Für Heistinger sind das wichtige Signale: „Jetzt zählt jeder Liter Wasser, der im Fluss bleibt.“
Appell an Badegäste und Festivalbesucher
Besonders dramatisch ist die Situation an der Traisen, Heistingers Heimatfluss. Dort sind vielerorts nur noch einzelne, flache Wasserlöcher übrig geblieben – die letzten Zufluchtsorte für Fische. Ausgerechnet in den kommenden Tagen werden wieder tausende Besucher zum Frequency Festival nach St. Pölten erwartet.
Der Fischtierarzt richtet deshalb einen eindringlichen Appell an Festivalgäste, Badegäste und Erholungssuchende: „Bitte meidet diese letzten Wasserstellen. Für uns sehen sie vielleicht harmlos aus, für die Fische sind sie die letzte Überlebenschance. Jeder Schritt durch diese Becken bedeutet enormen Stress, wirbelt Sedimente auf und kann die Tiere zusätzlich schwächen“.
Wenn wir unseren Gewässern jetzt Ruhe und Wasser schenken, können wir noch Leben retten.
Heinz Heistinger, Chef des Österreichischen Kuratoriums für Fischerei und Gewässerschutz
Ein stilles Sterben unter der Wasseroberfläche
Während sich viele Menschen über Badewetter und Sonnenschein freuen, spielt sich unter der Wasseroberfläche ein Drama ab, das kaum jemand sieht. Für Forellen, Äschen und viele andere heimische Arten geht es längst nicht mehr um Wachstum oder Fortpflanzung – sondern nur noch ums nackte Überleben.
Heistingers eindringlicher Appell richtet sich deshalb an Behörden, Kraftwerksbetreiber und jeden einzelnen Besucher der Flüsse: „Wenn wir unseren Gewässern jetzt Ruhe und Wasser schenken, können wir noch Leben retten. Wenn nicht, wird dieses stille Fischsterben schon bald unübersehbare Folgen für unsere Natur haben.“
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.