In Dornbirn (Vorarlberg) soll eine Moschee gebaut werden – zumindest, wenn es nach dem Wunsch des türkischen Kulturvereins ATIB geht. Ein erster Vorentwurf liegt bereits vor, dieser kam allerdings nicht sehr gut an. Die Stadt will jetzt einen breiten Dialog führen.
Der Bau einer Moschee soll nach dem Willen der Stadt nicht hinter verschlossenen Türen verhandelt werden. Deshalb lud Bürgermeister Markus Fäßler Vertreter der Vorarlberger Medien am Mittwoch zu einem Hintergrundgespräch. Darum geht es: ATIB Dornbirn – der größte muslimische Verein Vorarlbergs – plant am Standort des bestehenden Gebetshauses in der Quellengasse einen deutlich größeren Neubau. Das Ansuchen wurde Ende vergangenen Jahres eingebracht, im Frühjahr präsentierte der Verein einen ersten Vorentwurf. Dieser wurde sowohl von der Stadtplanung als auch vom unabhängigen Stadtplanungsbeirat geprüft. Das Ergebnis fiel eindeutig aus: In der vorliegenden Form sei das Projekt „weder darstellbar noch umsetzbar“.
Zu auffällig, zu groß, zu viele Menschen
Ausschlaggebend für die negative Haltung waren vor allem die Dimension des Gebäudes, die fehlende Einbindung in das Stadtbild sowie das zu erwartende deutlich höhere Besucheraufkommen. Der Vorentwurf sieht eine Moschee für rund 400 Personen vor, ein klassisches Minarett ist nicht geplant, dafür aber eine sogenannte Stele, also ein Turm ohne Treppe. Eine Botschaft ist Fäßler wichtig: Die Ablehnung im Stadtplanungsbeirat bedeute keineswegs eine generelle Absage des Projekts. „Wir verstehen die Bedürfnisse des Vereins ATIB und als Bürgermeister möchte ich die Umsetzung einer Moschee mit Kulturzentrum ermöglichen. Für mich ist aber essenziell, dass es für dieses Vorhaben eine breite Akzeptanz in unserer Stadt gibt.“
Im Dialoggremium soll auch Kritik erlaubt sein
Die Stadt werde das Projekt nach denselben gesetzlichen und städtebaulichen Vorgaben wie jedes andere begleiten. Gleichzeitig sei aber klar, dass ein Vorhaben dieser Größenordnung eine breite gesellschaftliche Diskussion auslösen werde. Genau deshalb will die Stadt nun einen transparenten Prozess mit frühzeitiger Beteiligung der Bevölkerung einleiten. Daher soll ein projektbegleitendes Dialoggremium eingerichtet werden, in welchem auch kritische Fragen offen diskutiert werden können. Die Erkenntnisse aus diesem Dialog sollen anschließend in einen Architekturwettbewerb einfließen.
Wir verstehen die Bedürfnisse von ATIB. Ein Kulturzentrum mit Moschee kann es aber nur im Konsens mit der Bevölkerung geben.
Markus Fäßler
Zurückhaltung statt architektonisches Statement
Bei der Gestaltung setzt Dornbirn auf Zurückhaltung. Ähnlich wie bei anderen markanten Bauwerken müssten sich auch sakrale Symbole in das Stadtbild einfügen. „Das gilt für religiöse wie für profane Gebäude gleichermaßen“, betont der Leiter der Stadtplanung, Martin Assmann. Zudem werde im Rahmen der Widmung natürlich auch noch das ein oder andere Gutachten einzuholen sein, so der Stadtplaner.
Die Chance nutzen, sich näherzukommen
Fäßler geht es allerdings nicht nur um das Klären baulicher Fragen. Er möchte das Projekt bewusst zum Anlass nehmen, um den Austausch zwischen den Religionsgemeinschaften zu stärken. Angedacht sind Informations- und Begegnungsformate, etwa Tage der offenen Gotteshäuser oder Veranstaltungen zum gegenseitigen Kennenlernen. Für den Bürgermeister ist klar: „Eine Moschee mit Kulturzentrum kann es nur im Konsens mit der Bevölkerung geben.“ Akzeptanz entstehe dann, wenn die Bedürfnisse der Religionsgemeinschaft mit jenen der Stadt, der Nachbarschaft und des Stadtbildes in Einklang gebracht werden. Wann das Projekt umgesetzt werden könnte, ist derzeit noch offen. Jetzt liegt es erst einmal an ATIB, die nächsten Planungsschritte zu setzen.
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