C‘est fait, die erste von acht Hürden hätten „Les Bleus“ auf dem Weg zu ihrem dritten Titelgewinn bei einer Fußball-WM schon einmal gemeistert – im Gegensatz zur Endrunde 2002 ist Frankreich nicht mit einer Niederlage, sondern mit einem Sieg gegen das Team des Senegal in das WM-Turnier gestartet! Vor über 80.000 Zuschauern im MetLife Stadium von East Rutherford setzte sich der Vizeweltmeister von 2022 gegen den WM-Achtelfinalisten von 2022 mit 3:1 durch - und merzte so zumindest ein bisschen die böse Schmach von vor über 20 Jahren aus …
Damals, am 31. Mai 2002 nämlich, war die „Equipe Tricolore“ als Titelverteidiger mit großen Erwartungen in die WM in Südkorea und Japan gestartet – und hatte sich durch einen Treffer von Papa Bouba Diop eine böse Watschn eingefangen, von der man sich nicht erholen sollte. Denn sensationellerweise war das Turnier für die Franzosen im weiteren Verlauf nach der Vorrunde vorbei, mehr als ein kümmerliches Pünktchen gegen Uruguay brachten sie nicht in die Endabrechnung ihrer Gruppe.
Während der aktuelle Senegal-Trainer Pape Thiaw als Teil des WM-Teams der Afrikaner deren Aufstieg bis ins Viertelfinale bejubeln durfte (Aus gegen die Türkei!), war sein Frankreich-Pendant Didier Deschamps bei der Endrunde von 2022 als Aktiver bereits in „Team-Pension“ gewesen. Bevor er nach der Nordamerika-WM auch als Teamchef in Pension geht, schickte der Sélectionneur seine „Les Bleus“ in einem flexibel ausgerichteten 4-2-3-1 in die Partie, gleich vom Start weg mit den offensiven Hochkarätern Kylian Mbappé, Michael Olise, Ousmane Dembélé und Désiré Doué in der Formation. Numerisch ebenfalls recht offensiv liefen auch die Senegalesen auf, mit Altstar Sadio Mané als linkem Flügelstürmer in einem 4-3-3.
Offensiv-Feuerwerk? Fehlanzeige!
Folgte auf diese Aufstellungen aber auch ein Offensiv-Feuerwerk der beiden Teams? Denkste! In den ersten 25 Minuten gab es keinen einzigen echten Torschuss – weder von Frankreich noch von Senegal. Positiv formuliert: Die Abwehrreihen angeführt von Dayot Upamecano bzw. Kalidou Koulibaly präsentierten sich perfekt abgestimmt. Mbappé wurde zwar mehrfach mit weiten Zuspielen gesucht, aber mal passte die Annahme nicht (4., 12.), mal geriet der Pass zu weit (14.) und mal schaute nach einem Dribbling nur eine Ecke heraus (23.).
Die erste Topchance gehörte denn auch den kompakt auftretenden Westafrikanern, die zwar nicht so oft ins gegnerische Defensiv-Drittel kamen, aber wenn, dann gefährlich: Nach einem Mbappé-Ballverlust schalteten die Senegalesen schnell um, El Hadji Malick Diouf schickte Nicolas Jackson auf die Reise, im Zuge derer das Ex-Bayern-Ass für einmal an Bayern-Abwehrchef Upamecano vorbeikam – und dann abzog. Frankreich-Goalie Mike Maignan wäre geschlagen gewesen, doch der Ball klatschte an die Stange und von dort an die Fersen des Goalies – wollte aber nicht über die Linie (25.).
Senegal bleibt bis zur Pause am Drücker
Reaktion von Frankreich? Gab’s nicht wirklich! Viel Ballbesitz in den ungefährlichen Zonen der eigenen Abwehr oder im Mittelfeld (zeitweise bis zu 64 Prozent!), aber ganz vorne fehlten Präzision, Tempo und Überraschungseffekte – ins Schwitzen wurden die Senegalesen vornehmlich von den rund 25 Grad Celsius im Stadion gebracht. Wenig überraschend gehörten auch die nächsten beiden (und finalen) Chance von Hälfte 1 der Truppe von Teamchef Thiaw: Erst scheiterte Mané nach Sarr-Zuspiel an Goalie Maignan (und seinem zu zentralem Abschluss) und kurz vor dem Pausenpfiff schoss Sarr nach einem Zuspiel von links bereits im Strafraum weit drüber – hätte er mit links statt rechts abgezogen, wäre er wohl reingegangen (45.+6) …
Mit Wiederanpfiff präsentierten sich beide Teams plötzlich wie verwandelt, als ob der echte Mbappé, der echte Dembelé bzw. der echte Mané statt ihrer lustlosen Zwillingsbrüder eingewechselt worden waren. Nun kamen vor allem auch die deutlich verbesserten Franzosen zu Chancen, und wie: Erst knallte Doué aus rund 18 Metern knapp neben das Senegal-Gehäuse (47.), dann prüfte der inzwischen von rechts in die Mitte gewechselte Olise Senegal-Goalie Edouard Mendy (53.), der kurz darauf auch eine Chance von Mbappé in extremis zunichtemachte (56.). Wenig später entschied Schiri Alireza Faghani nach einem Zweikampf von Mané und Mbappé im Senegal-Strafraum NICHT auf Elfer für Frankreich (61.). Wieso auch immer …
Entgleiste Gesichtszüge von Deschamps
Die ob dieser zumindest sehr, sehr, sehr fragwürdigen Entscheidung entgleisten Gesichtszüge von Frankreich-Trainer Deschamps fanden freilich bald wieder in die Spur, belohnten sich die Franzosen doch fünf Minuten nach der Elfer-Verweigerung für die Leistungssteigerung nach der Pause. Olise hebelte die gesamte Senegal-Defensive mit einem genialen Pass auf Mbappé aus, der den Ball aus der Drehung heraus fehlerlos annahm und dann flach im linken Eck zum inzwischen verdienten 1:0 einnetzte (66.). Einen Schreckmoment mussten „Les Bleus“ direkt im Anschluss wegstecken, als Jackson bei einem Konter nach einem Steilpass auf einmal alleine auf Maignan zulief und auch traf – allein: Er war beim Zuspiel im Abseits gewesen, dem Treffer wurde daher zurecht die Anerkennung verweigert (68.).
Nach einer weiteren Doué-Chance, die Senegal-Goalie Mendy vereiteln konnte (74.) war es noch einmal Jackson, der den Ausgleich auf dem Fuß gehabt hätte – doch nach Diouf-Flanke ging der Abschluss doch drüber (78.). So war es an den Franzosen, allen Remis-Hoffnungen der Westafrikaner noch vor der ultimativen Schlussphase den Gnadenstoß zu versetzen, zumindest vermeintlich: Die Senegalesen kamen bei einer blitzschnellen Kombination der Franzosen nicht hinterher, Adrien Rabiot schickte den gerade eingewechselten Bradley Barcola rechts auf die Reise und der PSG-Mann lupfte den Ball zur gefühlten Vorentscheidung über Mendy ins Netz.
Turbulente Schlussphase mit besserem Ende für Frankreich
Gefühlt deswegen, weil die in Hälfte 1 mit ihren wenigen, aber guten Chancen noch so sorglos umgegangenen Senegalesen auf einmal auch trafen, tief in der Nachspielzeit. Ibrahim Mbaye (ein weiterer PSG-Star) ließ bei einem Dribbling den bereits zuvor nicht immer sattelfest wirkenden Theo Hernández älter aussehen, als es sich für diesen ob seiner 31 Jahre geziemt hätte und aus recht kurzer Distanz hatte Maignan beim folgenden Abschluss keine Chance (95.).
Doch noch bevor der Jubel der Senegal-Fans auf den Tribünen gänzlich erstorben war, machte Mbappé aus Sicht der Franzosen endgültig den Deckel drauf auf die so lange so zäh verlaufene Partie: Olise zog kurz nach der Mittellinie mit einem schnellen Dribbling alle Blicke und gleich zwei Senegal-Verteidiger auf sich, spielte dann nach rechts ideal auf Mbappé und der zog nach einer schnellen Drehung aus rund 30 Metern einfach einmal ab – zum 3:1-Endstand (97.).
Das Ergebnis:
Frankreich – Senegal 3:1 (0:0)
East Rutherford, 80.505 Zuschauer, Schiedsrichter Faghani (AUS)
Tore: 1:0 (66.) Mbappe, 2:0 (82.) Barcola, 2:1 (95.) Mbaye, 3:1 (96.) Mbappe
Gelbe Karten: keine
Frankreich: Maignan – Kounde, Saliba, Upamecano, Hernandez – Rabiot, Tchouameni – Olise, Dembele (80. Barcola), Doue (87. Cherki) – Mbappe
Senegal: E. Mendy – Diatta, Koulibaly, Niakhate, E. Diouf – I. Gueye (88. Ciss), P. Gueye (83. Ndiaye) – I. Sarr (75. Mbaye), Camara (76. Diarra), Mane – Jackson (83.Dieng)
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