Die öffentliche Bibliothek von Melk (NÖ) streicht das neue Buch von Gerald Grosz aus dem Programm. Für die ÖVP und die Stadtbibliothek war die Lektüre dann doch zu „hetzerisch“. Warum der Autor jetzt nach Melk kommen will.
Im Schaufenster am Melker Rathausplatz war das Cover vor wenigen Wochen noch stolz tapeziert: „Ab nach Hause“ , betitelt der polarisierende Polit-Blogger Gerald Grosz sein aktuelles Buch. Neben Liebesromanen, Kinderbüchern und Krimis lag es in der Bücherei zur Ausleihe, nachdem es einige Melker unbedingt lesen wollten. Wenig überraschend geht es in „Ab nach Hause“ um rechte Asylpolitik und um „neue Wege mit Migration umzugehen“. Auch FPÖ-Chef Herbert Kickl meldet sich im Buch zu Wort.
Beschwerden von Bibliotheks-Besucher
Ausborgen kann man das Buch in Melk nun nicht mehr. „Es hat mehrere Beschwerden und kritische Rückmeldungen gegeben, seitdem das Buch auszuleihen war“, begründet ÖVP-Stadtchef Patrick Strobl seine Entscheidung. „Bestellen kann man das Buch aber sehr wohl im Buchhandel der Stadt“.
„Scheinheiligkeit ansprechen“
Autor Gerald Grosz bezeichnet das Aussortieren seines Buchs als „Eigentor der ÖVP“, über das er nur lachen könne: „Das zeigt ja die Scheinheiligkeit, die das Buch ansprechen soll!“ Dass seine Bücher aufregen, sei klar – auch das vorige Buch, das Angela Merkel mit blutigen Händen zeigt, sei in deutschen Bibliotheken nicht überall groß präsentiert worden. „Jeder Wirt kann entscheiden, welchen Wein er anbietet“, sieht Grosz die Entscheidung der Stadt nüchtern. Die Melker FPÖ veranstalte nun ohnehin als Protest eine Lesung mit Grosz.
Harmonie gefährdet
Es sei die sonstige Harmonie in der Bibliothek gefährdet gewesen, ergänzt die ÖVP. Einheimische sprachen die Arbeitslager-Vergangenheit der Stadt an – ein rechtspopulistisches Werk auszustellen, sei da „unpassend“. Eine Debatte über Meinungsfreiheit und Bibliothekswesen hat das Buch in jedem Fall ausgelöst, sogar über die Melker Stadtgrenze hinweg.
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