Wien gilt weltweit als Kulturhochburg. Doch im großen Konzert-Rennen fällt die Stadt jetzt immer weiter zurück. Der Grund dafür ist hausgemacht – und sorgt jetzt für heftige Kritik. Der Druck auf die Politik wächst.
Bad Bunny, Lady Gaga oder Dua Lipa – die größten Namen der Musikbranche füllen gerade weltweit Stadien. Doch ausgerechnet Wien steht bei vielen Superstars immer seltener auf dem Tourplan. Während München, Prag, Budapest oder Mailand regelmäßig hochkarätige Konzerte an Land ziehen, schauen heimische Fans oft durch die Finger. Aber warum ist das so?
Der Grund dafür ist schnell gefunden. Das Ernst Happel Stadion ist nicht nur für sportliche Großveranstaltungen da, sondern wird auch bei großen Rock- und Popkonzerten als eindrucksvolle und mächtige Eventlocation immer wieder genutzt. Das Problem daran: Aktuell darf im Prater-Oval nur zehn Mal pro Jahr ein Konzert stattfinden. Die Weltstars kommen aber nicht nur für einen Abend, sondern gleich für drei oder vier Konzerte hintereinander. Weil die heutigen Bühnenshows aber so aufwendig sind, dass sich ein einmaliger Aufbau nicht mehr lohnt. Bei den derzeitigen Regelungen gehen sich also nicht viele Konzerte aus. Konzertserien schon gar nicht.
Die Folge: Wien kann pro Jahr nur noch zwei bis drei echte Superstars an Land ziehen. Das ist sowohl wirtschaftlich als auch für Wien als Kulturhochburg ein herber Verlust. Genau deshalb wird jetzt wieder einmal der Ruf nach einer Lockerung laut.
Forderung: Konzert-Limit jetzt verdoppeln
Touristiker und die Wirtschaftskammer Wien fordern bereits seit Jahren, die Zahl der erlaubten Großevents im Happel-Stadion auf mindestens 20 zu verdoppeln. Zusätzlich wird auch die Gründung eines eigenen Eventboards nach dem Vorbild des Vienna Convention Bureau vorgeschlagen. Dieses soll internationale Konzertveranstalter gezielt in die Stadt holen und sie bei der Planung und Organisation unterstützen.
Immer mehr Stimmen warnen: Will die Bundeshauptstadt auch in Zukunft zur ersten Liga der Konzertmetropolen gehören, müssen die Spielregeln geändert werden – und zwar rasch. Doch dafür gehört zuerst das Wiener Veranstaltungsstättengesetz geändert. Im rot-pinken Regierungsprogramm heißt es dazu nur kryptisch: „Wir bekennen uns zum Ernst-Happel-Stadion als Veranstaltungsstätte.“
Eines ist klar: Wien kann Großevents. Das hat sich erst im Mai bei der Austragung der 70. Ausgabe des Eurovision Song Contests eindrucksvoll gezeigt. Die Mega-Veranstaltung ging erfolgreich über die Bühne, zog Zigtausende feiernde Fans aus der ganzen Welt an und machte die Bundeshauptstadt zur riesigen Partyzone.
Auch Stadt Wien offen für mehr Konzerte im Happel-Stadion
Fans wünschen sich mehr Live-Termine in Wiens größter Arena. Immer wieder werden Stimmen laut, die zusätzliche Auftritte im Ernst-Happel-Stadion fordern. Das Oval im Prater gehört der Stadt Wien und wird über die Wiener Sportstätten Betriebsgesellschaft, ein Unternehmen der Wien Holding, geführt. Zuständig dafür ist Sportstadtrat Peter Hacker (SPÖ).
Seit Jahren zählt die Arena zu den beliebtesten Bühnen des Landes. Heuer traten dort bereits Helene Fischer, Linkin Park und die Foo Fighters auf. Im August folgt Andrea Bocelli, am 12. September, die Toten Hosen. Vergangenes Jahr sorgten unter anderem Robbie Williams, Iron Maiden, Seiler und Speer sowie Guns N‘ Roses für ausverkaufte Ränge.
Gemeinsame Nutzung von Bühnen denkbar
Gebucht wird über internationale Agenturen. Die Shows sind ein enorm wichtiger Wirtschaftsfaktor: Hotellerie und Gastronomie profitieren von den anreisenden Fans. Jede Veranstaltung bindet das Stadion im Schnitt zehn Tage: Rund sechs Tage Aufbau, dazu der Termin selbst sowie zwei bis drei Tage Abbau. Eine gemeinsame Nutzung von Bühnenteilen wäre daher technisch denkbar. Die Entscheidung treffen aber Künstler und Agenturen – Top-Acts bringen ihre Bühne meist selbst mit. Stadtrat Hacker zeigt sich aufgeschlossen.
Im Happel-Oval im Prater finden immer weniger Sportveranstaltungen statt, weil die Anlage veraltet ist. Die lukrativen Großkonzerne und Events machen mittlerweile 80 Prozent der Einnahmen aus, sind daher immens wichtig.
„Mit dem Ernst-Happel-Stadion haben wir die größte Veranstaltungslocation der Stadt, und wir freuen uns über jeden Act“, sagt er zur, „Krone“. Die Logistik dahinter sei gigantisch: „Wir tun unser Bestes, um die Agenturen und Künstler bestmöglich zu unterstützen.“ Für Wünsche der Veranstalter habe er stets ein offenes Ohr, so der Stadtrat. Und weiter: „Wir haben noch Kapazitäten, und ich freue mich, wenn wir weitere Konzerte bei uns genießen dürfen!“ Eine Verdoppelung der möglichen Events im Stadion würde Wien hier wieder wettbewerbsfähig machen, fordert auch die Wirtschaftskammer Wien. Ob also bald noch mehr Top-Acts im Prater spielen, entscheiden die Agenturen – Platz hätte die Stadt jedenfalls noch.
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