Ein Drittel der Produktion beim oberösterreichischen Faserhersteller Lenzing steht am Donnerstagvormittag still, denn rund 1400 Beschäftigte legen die Arbeit nieder. „Die Stimmung ist entschlossen und kämpferisch“, sagt Betriebsrat Michael Bichler. Es geht um die laufenden Lohnverhandlungen in der chemischen Industrie.
„Wir zählen 1400 Kolleginnen und Kollegen, die heute streiken“, sagt Michael Bichler, Betriebsrat beim Faserhersteller Lenzing aus der gleichnamigen Gemeinde in Oberösterreich zur „Krone“. Das sind mehr als drei Viertel der gesamten Belegschaft in der Frühschicht. Drei Faserproduktionslinien – etwa ein Drittel der gesamten Produktionskapazität – stehen am Donnerstagvormittag still: Die Anlagen werden nach der planmäßigen Wartung nicht wie gewöhnlich wieder in Betrieb genommen, sondern eben bestreikt.
Und selbst die anderen Produktionsbereiche laufen am Donnerstagvormittag nur auf Sparflamme: „Es gibt dort keine Telefonate, Mails oder Besprechungen“, sagt Bichler. Die Stimmung in der Belegschaft sei „entschlossen und kämpferisch, aber positiv und gesittet“ – „die Kollegen wissen, worum es geht.“
Faserhersteller will „zeitnah konstruktive Einigung“
Von der Unternehmensleitung der Lenzing AG selbst heißt es zum Groß-Protest: „Lenzing respektiert das Recht auf gewerkschaftliche Maßnahmen sowie den sozialpartnerschaftlichen Dialog. Gleichzeitig appelliert Lenzing an die Verhandlungsteilnehmer, zeitnah zu einer konstruktiven Einigung zu kommen, die für beide Seiten zu einem tragfähigen Ergebnis führt.“ Zu den laufenden Verhandlungen äußert sich der Hersteller von Fasern für Textilien aller Art nicht.
Verhandlungsfronten sind verhärtet
Sieben Gesprächsrunden sind bei den Kollektivvertrags-Verhandlungen der chemischen Industrie bisher erfolglos verlaufen. Die Arbeitgeber bieten 0,5 Prozent Lohnerhöhung plus 300 Euro Einmalzahlung oder zwei Prozent Lohnerhöhung ab Oktober 2026 bis April 2028 und argumentieren das mit der Nulllohnrunde in der Chemiebranche im benachbarten Deutschland. Nach Berechnungen der Gewerkschaft entspricht die zweite Variante einer jährlichen Erhöhung von 0,79 Prozent. Die Gewerkschaft wiederum fordert drei Prozent mehr Lohn und Gehalt.
Auch im Linzer Chemiepark wurde deswegen bereits am Mittwoch großflächig gestreikt – die „Krone“ berichtete. Am Donnerstagnachmittag treffen die Verhandler in Wien – insgesamt arbeiten in der Branche österreichweit rund 50.000 Menschen – zum achten Mal aufeinander. „Wir haben in der Streikleitung die weiteren Eskalationsszenarien besprochen“, sagt Lenzing-Betriebsrat Michael Bichler. „Wir hoffen aber, dass wir sie nicht brauchen. Wir streiken nicht um des Streikens willen, sondern um einen fairen Lohn- und Gehaltsabschluss zu erreichen. Wenn kein Ergebnis erzielt wird, sind wir aber bereit, die Streiks auszuweiten.“
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