Laut, heftig, mobil – so beschreiben Sängerin Alice Martin und Marvin Frey (Trompete) ihre zehnköpfige Band. Beim Linzer „Krone“-Fest am 22. August zünden die Brass-Giganten von Moop Mama aus Deutschland ein musikalisches Feuerwerk. Und legen noch eines drauf, wenn das Publikum denkt: „Mehr geht nicht.“
Zwischen zwei Städten und einem vollen Terminkalender schaltet sich Moop Mama zum „Krone“-Interview. Sängerin Alice Martin (Künstlername Älice) hat in Hamburg gerade einen Termin abgeschüttelt – einmal durchatmen, dann ist sie voll da. Trompeter Marvin Frey klinkt sich entspannt aus seiner Wohnung in Köln ein. Mit der „Krone“ sprechen beide über das, was den Erfolg der zehnköpfigen Brassband seit Jahren ausmacht: Konzerte, die sich eher wie ein kollektiver Ausnahmezustand anfühlen als wie ein gewöhnlicher Gig. Schweißtreibende Brass-Ekstase, gesellschaftliche Haltung und Konzerte, bei denen der Funke selten lange braucht, um aufs Publikum überzuspringen. Nach ihrem Auftritt in Feldkirchen in Oberösterreich nimmt die Brassband im August das Linzer „Krone“-Fest ins Visier. Im Interview verraten Älice und Marvin, weshalb vor jeder Show schon einmal 93-mal im Kreis gesprungen wird – und warum Blechblasinstrumente für sie überall funktionieren, notfalls auch am Campingplatz.
„OÖ Krone“: Ihr seid bekannt für euren unverwechselbaren Sound und energiegeladene Live-Shows. Was macht für euch ein gutes Festivalpublikum aus?
Älice: Offenheit, gute Laune und der richtige Pegel. Und die Umstände müssen passen – ideal wäre Sonne, Wasser in der Nähe, gute Musik vorher und alle haben schön gegessen.
Marvin: Was ich toll finde, ist, wenn viele im Publikum die Texte kennen und mitmachen. Das ist immer ein Moment, wo man merkt „ah, ihr wisst, was euch erwartet“. Das schwappt dann immer über und hat eine positive Energie auf uns Musiker.
Am 22. August steht ihr um 19.30 Uhr beim Linzer „Krone“-Fest vor Zehntausenden Zuhörern auf der Hauptbühne. Was geht euch in solchen Momenten durch den Kopf?
Älice: Kurz vorher habe ich, ehrlich gesagt, echt Muffensausen, denke mir: „Ist das jetzt euer Ernst? Soll man da wirklich rausgehen und performen?“ Das ist dann etwa so, wie von einem 3-Meter-Brett zu springen. Aber wenn man dann auf die Bühne und auf diese Energiewand von diesen ganzen Leuten trifft, dann ist man drinnen. Dann ist alles egal.
Marvin: Als Bandmitglied ist man ja auch immer Teil einer großen Gruppe. Man geht da ja nicht alleine auf die Bühne, sondern kann sich auf die anderen verlassen. Das sorgt natürlich auch dafür, dass Entspannung reinkommt.
Ihr seid eine große Band. Gibt es vor einem Konzert feste Rituale?
Älice: Es gibt ein Ritual – jemand sagt eine Zahl und dann springen wir der Zahl entsprechend im Kreis. Neulich hatten wir 93 – da mussten wir 93-mal springen.
Auf welches Lied freut ihr euch jedes Mal besonders?
Marvin: Ich persönlich freue mich immer auf „Alle Kinder“. In letzter Zeit gehen wir auch häufiger ins Publikum und sind dann mitten in der Crowd, wenn die Bühne es zulässt. Dann herrscht total die Party und regiert der Abriss. Es ist aber auch so schön, den Leuten so nah zu sein. Das macht dann einfach Bock.
Älice: Bei mir ist das aktuell „Blechdach“, weil ich da einfach Gas geben kann.
Wenn ihr eure Band mit nur drei Begriffen beschreiben müsstet – welche wären das?
Marvin: Laut. Heftig. Mobil. Mobil deswegen, weil wir gerade ein neues Soundsystem haben, mit dem wir überall spielen können. Generell können wir mit Blechblasinstrumenten sowieso überall auftreten – du kannst uns auf einen Campingplatz stellen und wir legen los. Das ist ein Erkennungsmerkmal von uns.
Was dürfen die Besucher beim Linzer „Krone“- Fest von eurem Auftritt erwarten?
Älice: Ein phänomenales Feuerwerk, das wir abliefern. Zehn Leute, die jeder ihr eigenes Brennen in sich haben, tragen dieses Brennen nach außen und verbinden sich mit dem Publikum – darauf könnt ihr euch gefasst machen!
Marvin: Das Erlebnis ist live im Sinne von echten Instrumenten, ohne viel Firlefanz. Unser Konzert wird sehr nahbar, weil wir immer den Kontakt zum Publikum suchen. Vielleicht kommen wir ja auch runter ins Publikum – mal schauen. Wir haben ein gutes Programm, bei dem es immer noch eine Steigerung gibt, auch wenn man denkt, man sei schon am Limit. Dann kommt noch einmal ein neuer Energielevel drauf.
In Oberösterreich gibt es eine ausgeprägte Blasmusikkultur – das beste Beispiel ist das Woodstock der Blasmusik, bei dem ihr auch schon aufgetreten seid...
Marvin: Ich finde es toll, dass es Leute im Publikum gibt, die Blasmusik wertschätzen und wissen, was das für eine körperliche Arbeit ist und wie viel es an Zeit erfordert, auf dem Instrument zurechtzukommen. Ihr habt hier eine besondere Kultur und es ist schön, etwas dazu beitragen zu können, dass diese Instrumente weiter in der Popularität dazugewinnen.
Wenn ihr als Band einen Tag die Rolle mit einer anderen Band tauschen könntet oder mit einem Künstler – wer wäre das?
Marvin: Die US-Brassband Youngblood hat für uns so eine Art Vorbildcharakter. An denen haben wir uns musikalisch sehr orientiert. Aber auch Peter Fox und Seeed gehören dazu – die dicken Beats und dann auch diese Books, die dann doch sehr eingängig sind.
Stellen wir uns vor, das Linzer „Krone“-Fest ist vorbei und alle sind total glücklich. Wenn die Menschen euren Auftritt mit nur einem Satz beschreiben müssten – welcher wäre das idealerweise?
Marvin: Ich wusste gar nicht, dass Blechblasinstrumente so geil sein können.
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