Manuela Reichert hatte die Finanzen der Kulturhauptstadt 2024 gesteuert, nun hat sie ihr eigenes Büro – und macht Jagd auf gute Führungskräfte im Kulturbereich. Denn auch hier zeichnet sich so etwas wie „Fachkräftemangel“ ab. Und wie schaut die Zukunft der Branche aus, angesichts angespannter Budgets?
„Kultur ist eine Branche wie jede andere“, sagt Manuela Reichert, ehemalige Geschäftsführerin der Kulturhauptstadt 2024 Bad Ischl-Salzkammergut.
Auch in der Kultur gehe es um Produkte (Konzerte, Veranstaltungen), Finanzen – und natürlich auch um Köpfe. „Headhunting“ ist bei der Besetzung von wichtigen Intendanzen oder Schlüsselpositionen durchaus üblich. Agenturen haben sich darauf spezialisiert.
Netzwerken ist oberstes Gebot
In Deutschland ist Oliver Scheytt und sein Büro „Kulturexperten“ federführend. Er hatte einst Essen und das Ruhrgebiet zur Kulturhauptstadt gemacht, griff auch Bad Ischl unter die Arme und leistet Personalberatung im Kulturbereich.
Nun hat er Reichert für sich gewinnen können: Die gebürtige Salzburgerin, die schon lange in Oberösterreich verwurzelt ist, arbeitet nun für die „Kulturexperten“, wenn es um Mitarbeitersuche oder Potenziale im Kulturbereich in Österreich geht. „Das fand ich nach meiner Tätigkeit bei der Kulturhauptstadt den richtigen Schritt“, sagt sie zur „Krone“.
„Krone“: Was bedeutet für Sie der Sprung in die neue Aufgabe?
Manuela Reichert: Mit dem Schritt in die Selbstständigkeit hat sich für mich persönlich ein komplett neues Kapitel aufgeschlagen. In meinen 25 Jahren als Geschäftsführerin von Kulturbetrieben habe ich das operative Tagesgeschäft von der Pike auf gelernt. Jetzt bringe ich Organisationen und Menschen zusammen und begleite sie.
Gibt es im Kulturbereich immer wieder Platz für neue Kräfte?
In absehbarer Zeit werden viele langgediente Führungskräfte in den Ruhestand gehen. Dies führt zu einem Generationenwechsel und zu einem Umbruch. Die kommende Führungsgeneration wird ihre Werte genau überprüfen und ein Konzept entwickeln müssen, wie vorgegebene Budgets halten und Personalressourcen effizient eingesetzt werden können.
Viele Branchen stöhnen über Fachkräftemangel. Gibt es im Kulturbereich immer ausreichend Bewerber?
Es wird wohl dringend notwendig sein, junge, talentierte Führungskräfte gezielt zu fördern – und ebenso klar zu fordern. Kultur bleibt ein anspruchsvolles Geschäft: Sie verlangt professionelles Management und Führungskompetenz, Geschick im Umgang mit Förderstrukturen und Persönlichkeiten mit Haltung, Innovationskraft und Verantwortungsbewusstsein.
Sie sind erst seit Kurzem tätig. Bei welchen Besetzungen waren Sie eingebunden?
Begleitet habe ich bisher folgende Stellenbesetzungen: Marketingleitung Kunstsammlung Stiftung Liechtenstein, technische Leitung Musiktheater Linz/Landestheater Linz (TOG), Marketingleitung Theater an der Josefstadt.
Sie arbeiten mit Scheytt in Deutschland zusammen. Wo ist Ihr Büro?
In Luftenberg bei Linz – mein Lebensmittelpunkt.
Ist Kultur eine Branche mit Zukunft, obwohl so viel gekürzt und gespart wird?Die Kürzung von Budgets bedeutet, sich wieder auf das Wesentliche zu fokussieren. Es geht im Kulturbereich gerade weniger um Wachstum, sondern vielmehr um den Erhalt des Wesentlichen und das auf gewohnt hohem Qualitätsniveau. Kein leichter Spannungsbogen, da braucht es Mut zu neuen Wegen.