Opfer in Handschellen

Student tot: Rassismus-Debatte nach Polizeifehler

Ausland
02.06.2026 21:48
Porträt von krone.at
Von krone.at

Ein schwerer Polizeifehler hat in Großbritannien eine Debatte über angeblichen umgekehrten Rassismus ausgelöst. Hintergrund ist der Messerangriff eines Mannes aus der Sikh-Gemeinschaft auf einen weißen 18-jährigen Studenten im Dezember 2025 in Southampton. Nun steigt in Großbritannien die Sorge vor einem Krawallsommer. 

Der Angreifer, Vickrum Digwa, hatte sich als Opfer eines rassistischen Angriffs ausgegeben. Daraufhin legten die Beamten dem tatsächlichen Opfer, Henry Nowak, trotz Verletzung Handschellen an, wie Bodycam-Aufnahmen zeigen. Er starb noch am Tatort.

Debatte über angeblichen umgekehrten Rassismus
Vonseiten rechter und konservativer Politiker wurden als Ursache für den krassen Fehler rasch die Bemühungen um Rassismusbekämpfung ausgemacht. Liberale und linke Politiker hingegen witterten rechte Stimmungsmache.

Rechtspopulist Farage: „Umgekehrter George-Floyd-Moment“
Nigel Farage, der rechtspopulistische Chef der Partei Reform UK, sah einen umgekehrten George-Floyd-Moment gekommen. Der Fall des schwarzen Mannes, der in der US-Metropole Minneapolis durch Polizeigewalt zu Tode kam, war ein Schlüsselmoment in der Black-Lives-Matter-Bewegung.

In einem Videoaufruf auf X prangerte der bekannte Krawallmacher Farage eine angebliche Zweiklassenkultur an, „in der die Rechte und Privilegien weißer Menschen weniger zählen als die ethnischer Minderheiten“. Farages Partei führt derzeit in Großbritannien in den Umfragen.

  Der liberaldemokratische Abgeordnete Max Wilkinson warf Farage daraufhin vor, „eine Tragödie dazu auszunutzen, um Gemeinschaften in Großbritannien auseinanderzubringen“. Das sei „spaltend, gefährlich und fundamental unbritisch“, so Wilkinson.

Sorge vor neuem Krawallsommer
Premierminister Keir Starmer bezeichnete den Fall als „furchtbar und schockierend“ und begrüßte eine angekündigte Untersuchung durch die Aufsichtsstelle für Polizeiverhalten IOPC. Er habe die Bodycam-Aufnahme gesehen, sagte er später in einer Videobotschaft und bezeichnete sie als „erschütternd“. Als Vater eines 17-Jährigen sei ihm schlecht geworden beim Zusehen, so der Premier. Es gebe nun gewichtige Fragen zu beantworten, nicht zuletzt wie Rassismusvorwürfe die Entscheidungen in dem Fall beeinflusst hätten.

Bilder: Protestkundgebungen in Großbritannien 

(Bild: AFP/JUSTIN TALLIS)
(Bild: AFP/JUSTIN TALLIS)
(Bild: AFP/JUSTIN TALLIS)
(Bild: AP/Gareth Fuller)
(Bild: AFP/JUSTIN TALLIS)
(Bild: AFP/JUSTIN TALLIS)
(Bild: AP/Gareth Fuller)
(Bild: AP/Gareth Fuller)
(Bild: AFP/JUSTIN TALLIS)
(Bild: AFP/JUSTIN TALLIS)
(Bild: AFP/JUSTIN TALLIS)
(Bild: AFP/JUSTIN TALLIS)

Innenministerin Shabana Mahmood sagte bei einer Debatte im Unterhaus, die Untersuchung solle innerhalb von drei Monaten abgeschlossen werden. Sie warnte jedoch davor, „dass dieser Mord dazu führt, dass Gemeinschaften aufeinander losgehen.“ Ähnlich hatte sich auch der Vater des Opfers vor Gericht geäußert, wie die britische Nachrichtenagentur PA berichtete: „Wir wollen nicht, dass sein Tod dazu benutzt wird, noch mehr Spaltung, Hass oder Spannung zu schaffen.“

Rechtsextremist Tommy Robinson rief hingegen in einem wütenden Video-Appell zu einem Protest vor dem Polizeihauptquartier in Southampton auf. Er weckte damit Befürchtungen vor einem neuen Krawallsommer. Robinson hatte eine unrühmliche Rolle beim Anheizen rassistischer Ausschreitungen im Sommer 2024 gespielt.

Damals wurden England und Nordirland wochenlang von gewaltsamen Ausschreitungen erschüttert. Dem Aufruf folgten bis zum frühen Abend etwa 2000 Menschen, wie der britische Nachrichtensender Sky News berichtete. Laut Mahmood musste bereits ein Polizist mit seiner Familie umziehen, weil er Morddrohungen erhalten hatte, nachdem er fälschlicherweise mit dem Vorfall in Verbindung gebracht worden war.

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