Testkit für zu Hause

Wien startet größte Gratis-Aktion gegen Darmkrebs

Wien
09.06.2026 12:30

Wien startet das erste flächendeckende Darmkrebs-Screening: 540.000 Personen zwischen 45 und 75 Jahren erhalten eine Einladung zur kostenlosen Vorsorge.

Ab heute landen in Wiens Briefkästen Schreiben, die Leben retten könnten. Das neue Darmkrebs-Screening-Programm der Stadt lädt 540.000 Wienerinnen und Wiener zwischen 45 und 75 Jahren zur kostenlosen Vorsorge ein.

Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) spricht von einem Meilenstein: „Mir ist es ein persönliches Anliegen, dass wir Wien zur Vorsorgehauptstadt machen. Nutzen Sie dieses neue und kostenlose Angebot, denn nur so lassen sich zahlreiche Fälle von Darmkrebs rechtzeitig entdecken und schwerwiegende Erkrankungen vermeiden.“

Rund 700.000 Personen in der Bundeshauptstadt fallen in die relevante Altersgruppe; abzüglich jener mit bereits erfolgter Darmspiegelung bleiben 540.000 Menschen, die in den kommenden Monaten ein Einladungsschreiben erhalten.

Stuhltest oder Darmspiegelung — freie Wahl
Die Eingeladenen können zwischen zwei Optionen wählen. Erstens: ein kostenloser Stuhltest, kurz FIT, den man bequem zu Hause durchführt. Zweitens: die klassische Darmspiegelung (Koloskopie) beim Facharzt. Das Testkit lässt sich online unter darmgesundheit.wien oder telefonisch über 1450 bestellen.

Die Stuhlprobe schickt man per vorfrankiertem Kuvert über eine der 667 Wiener Postfilialen ins Labor — eine Sendungsverfolgung ist möglich. Das Ergebnis kommt binnen weniger Tage per E-Mail oder Post. Grundlage des Programms sind die EU-Empfehlung sowie jene des Nationalen Screening-Komitees für Krebserkrankungen.

Dieses Testkit für zu Hause kann nach der Aufforderung der Stadt angefordert werden.
Dieses Testkit für zu Hause kann nach der Aufforderung der Stadt angefordert werden.(Bild: Stadt Wien)

14-Tage-Garantie bei auffälligem Befund
Ist der Test auffällig, bedeutet das nicht automatisch Krebs — doch eine Abklärung muss her. Das Programm garantiert in diesem Fall einen Koloskopie-Termin innerhalb von 14 Tagen. Primär wird im niedergelassenen Bereich gesucht; findet sich dort kein freier Platz, springen die Projektpartner Endomed Wien Mitte und Franziskusspital ein. Unter 1450 ist während des gesamten Prozesses eine zentrale Servicestelle mit telemedizinischer Beratung erreichbar. Personen mit bekannter Darmerkrankung sollen nicht an dem Screening teilnehmen.

7,5 Millionen Euro pro Jahr für die Vorsorge
Das Programm ist vorerst auf zwei Jahre ausgelegt und kostet rund 7,5 Millionen Euro jährlich — getragen je zur Hälfte vom Wiener Gesundheitsfonds und den Krankenversicherungsträgern. Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ): „Durch dieses Screening werden Leben gerettet, Leid verhindert und teure Folgekosten gespart.“

ÖGK-Vorsitzende Agnes Streissler-Führer betont: „Jeder Euro in Prävention spart vielfach höhere Kosten in Therapie und Nachsorge.“ NEOS-Gesundheitssprecherin Jing Hu sieht darin einen wichtigen Schritt hin zu Prävention statt Reparaturmedizin. Im Juni werden zunächst 5000 Personen angeschrieben, ab Juli dann monatlich rund 50.000 — alphabetisch nach Nachnamen. Die Briefe erscheinen neben Deutsch auch auf Englisch, Türkisch und Bosnisch-Kroatisch-Serbisch.

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