Er wollte immer dort sein, wo die Not am größten ist. Seit drei Jahrzehnten kümmert sich Pater Georg Sporschill um Straßenkinder und verlassene Menschen. Am Sonntag ist er 80.
Georg sitzt im Garten vom Gasthaus „Wild“ am Wiener Radetzkyplatz vor einem großen Glas Soda-Zitron. Der Treffpunkt passt, denn auf die Frage, was man einmal über ihn sagen soll, antwortete er im „Krone“-Interview: „Er war ein wilder Hund und hat alles gegeben!“ So „wild“ sei er natürlich mit fast 80 nicht mehr, lacht er an diesem Nachmittag, aber der Rest stimme noch immer.
Vor ihm liegt das Buch „Mein Leben mit Pater Georg“. Moise, ein ehemaliger Schützling, hat ein Jahr lang Zeichnungen gemacht. Seine Bilder erzählen eine Geschichte, die Tausende Roma-Kinder erlebt haben. „Im Jahr 1991 kam Pater Georg aus Wien an den Nordbahnhof in Bukarest. Wir waren wilde Kinder, hatten Hunger, waren krank und schmutzig, mit Flöhen und Läusen. Wir haben gespürt, dass der Pater uns mag. Kein anderer Mensch hat gewagt, uns zu berühren.“
Wenn du in den Fluss springst, reißt er dich mit. Das weiß jeder, der mit Schützlingen zu tun hat. Dieser Fluss trägt mich, ohne dass ich je ersoffen wäre.
Georg Sporschill über sein Leben mit Roma-Kindern
Seit damals sind mehr als drei Jahrzehnte vergangen. „Diese Kinder sind mein größtes Geschenk“, sagt Pater Georg, „ich habe nie für sie gearbeitet, sondern immer mit ihnen gelebt.“
Bis 2011 bei „Concordia“ in Moldawien und Rumänien, heute in den Roma-Dörfern des siebenbürgischen Harbachtals, wo die Theologin und Sozialarbeiterin Ruth Zenkert, die schon bei „Concordia“ mit Sporschill gearbeitet hat, das Hilfsprojekt „Elijah“ betreibt.
„Wo werde ich gebraucht, wo ist die Not am größten?“ Genau dort wollte Sporschill immer sein. In Wien nannten sie ihn „Sandlerpapst“, in Rumänien „König der Straßenkinder.“ Für Tausende von ihnen ist Georg Sporschill zum Vater geworden. „Wenn du in den Fluss springst, reißt er dich mit“, beschreibt er dieses Leben mit verwahrlosten Kindern und deren Eltern, „das kennt jede und jeder, der mit Schützlingen zu tun hat. Dieser Fluss trägt mich, ohne dass ich je ersoffen wäre.“
Auch den 80. Geburtstag am kommenden Sonntag feiert Pater Georg in seiner Wohngemeinschaft in Marpod: Mit ehemaligen Straßenkindern aus Bukarest, mit Moise, Ruth Zenkert, einer indischen Familie, und auch zwei Katzen und Straßenhund „Simsa“ gehören zur WG.
Geboren am 26. 7. 1946 als eines von neun Kindern in Feldkirch, Vorarlberg. Der Vater ist Bauingenieur und viel unterwegs, die Mutter zieht die insgesamt neun Kinder allein groß. Sporschill studiert Theologie, Pädagogik und Psychologie. 1976 wird er Jesuit, 1978 Priester. Ab 1980 engagiert er sich für strafentlassene, drogensüchtige, obdachlose Jugendliche in Wien. 1991 geht Sporschill im Auftrag der Caritas nach Bukarest und beginnt mit einem Projekt für Straßenkinder. Der Verein Concordia wird zum Vorzeigeprojekt moderner Caritas-Arbeit. 2012 gründet er gemeinsam mit Ruth Zenkert den Verein ELIJAH, der in Rumänien Sozialzentren, Musikschulen, Bildungs- und Arbeitsprojekte, ein Schülerwohnheim und ein Kinderhaus betreibt. Spenden: Verein ELIJAH IBAN: AT66 1630 0001 3019 8724
„Wir werden wie jeden Sonntag gemeinsam die Heilige Messe feiern und dann gibt’s sicher ein gutes Essen.“ Georgs Miene hellt sich auf, wenn er über die typischen Krautwickel „Sarmale“ mit Polenta spricht, die Steaks von den Angus-Rindern im Dorf, die er für alle grillen wird, und die kleinen rumänischen Cevapcici.
Was wünscht er sich zum Geburtstag? „Noch lange aktiv zu bleiben“, antwortet „der wilde Hund“ ohne zu überlegen, „dafür sorgt schon Simsalabim.“ Mit dem rumänischen Straßenhund marschiert der sehr bald 80-Jährige an manchen Tagen zehn Kilometer.
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