Letzte Worte berühren

Lähmung, Corona: „Ich weiß keinen Ausweg mehr“

Persönlich
08.06.2026 05:00
Porträt von krone.at
Von krone.at

Zehn Jahre nach einem folgenschweren Arbeitsunfall war Marcel (39) an einem Punkt angekommen, an dem er für sich keine Perspektive mehr sah. Mit der „Krone“ sprach er über unerträgliche Schmerzen, seine Enttäuschung über das Gesundheitssystem, die strafrechtliche Verfolgung wegen Cannabis als Medizin und den schwersten Entschluss seines Lebens. Komplett zu lesen nur bei Krone+.

Seit seinem schweren Arbeitsunfall im Jahr 2013 war der junge Niederösterreicher querschnittgelähmt. Trotz zahlreicher Therapien verschlechterte sich sein Gesundheitszustand zunehmend. Besonders nach zwei Corona-Erkrankungen litt er unter massiven Schmerzen, Spastiken und Erschöpfung. Alltägliche Funktionen wurden zur Qual, oft konnte er das Haus monatelang nicht verlassen.

Vor rund zwei Jahren fasste Marcel den Entschluss, sein Leben mithilfe einer Sterbeverfügung zu beenden – der assistierte Suizid wurde inzwischen vollzogen. Kurz vor seinem Tod betonte Marcel gegenüber der „Krone“, dass es für ihn keinen anderen Ausweg mehr gegeben habe. Die Schmerzen, die körperlichen Einschränkungen und die Aussichtslosigkeit seiner Situation hätten ihn an seine Grenzen gebracht.

Besonders kritisch sah Marcel den Umgang mit medizinischem Cannabis in Österreich. Während ihm verschriebene Medikamente wie Dronabinol oder Morphium nur begrenzt geholfen hätten und starke Nebenwirkungen verursachten, habe ihm natürliches Cannabis in den Niederlanden spürbare Erleichterung verschafft. Weil er sich selbst mit Hanfpflanzen versorgte, geriet er jedoch mit dem Gesetz in Konflikt und wurde strafrechtlich verfolgt.

Trotz seiner Entscheidung blickte Marcel nicht verbittert zurück. Er sprach mit Dankbarkeit über die Unterstützung seiner Frau, seiner Familie und seiner Freunde. Für die Zeit nach seinem Tod wünschte er sich vor allem eines: dass sein Schicksal dazu beiträgt, die Debatte über medizinisches Cannabis neu zu führen und anderen Betroffenen möglicherweise Leid zu ersparen.

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