In seiner neuesten Kolumne fiebert „Krone“-Autor Harald Petermichl der bald in Mexiko, Kanada und den USA startenden Fußball-Weltmeisterschaft entgegen! Oder doch nicht? Interesse zeigt er jedenfalls auch für die ebenfalls bald beginnende Europameisterschaft im Sensenmähen.
Erstaunlicherweise scheint es derzeit in Deutschland, geopolitische Lage hin oder her, kaum etwas Wichtigeres zu geben, als die am Knie des jüngst vom Rücktritt zurückgetretenen Manuel Neuer befestigte „Wade der Nation“. Einschlägige Medien überschlagen sich geradezu mit Wasserstandsmeldungen über Genesungsfortschritte oder -probleme und in medizinischen Halbfachkreisen wird immer wieder geraunt, es könnten vielleicht die nach einem Unfall beim Ski-Touren am Roßkopf eingesetzten Titanplatten (vermutlich von Oliver Kahn höchstpersönlich appliziert) sein, die den 40-jährigen Gelsenkirchener gleichermaßen zwicken wie nerven. Sei’s drum, entscheidender ist, dass ein wichtiges Ereignis unmittelbar bevorsteht und wir bis dahin nur noch vier Mal schlafen müssen. Oder besser dürfen.
Am 11. Juni findet nämlich in der Walgau-Gemeinde Nüziders, veranstaltet vom dortigen Obst- und Gartenbauverein, der zweite und damit praktische Teil eines Sensen-Mähkurses mit Herrn Christoph Walser statt, bei dem alle Interessierten allerlei Wissenswertes über diese alte, bodenschonende und gleichermaßen insektenfreundliche Technik erfahren und sich selbst darin üben können. Klingt unbedeutend, birgt aber bei genauerem Hinsehen Potenzial für große Dinge, denn schließlich wird in ein paar Wochen wieder die Europameisterschaft im Sensenmähen stattfinden und da hat Elisabeth Stangl von der Landjugend Köstendorf bei der letzten Auflage im oberbayerischen Ainring bereits zum dritten Mal den Titel für Österreich geholt, was sie mit „So zach war es für mich schon lange nicht mehr, aber richtig cool“ quittierte. Das Ganze geschieht selbstverständlich ohne einen lästigen VAR; man vertraut vielmehr dem Oberschiedsrichter Franz Erbschwendtner, der unter anderem weiß: „Wenn jemand tiefer ausgemäht hat, wird das natürlich berücksichtigt, weil dann wird mehr Schneid gebraucht.“
Die Landesvorentscheide sind derzeit schon in vollem Gange. Und weil wir gerade bei wichtigen Terminen sind: Am 28. Juni beginnt jenseits des Atlantiks ein einigermaßen großes Fußballturnier, von dem zwei Verhaltensauffällige namens Trump und Infantino behaupten, es sei das größte aller Zeiten. Es gibt sogar das Gerücht, der Start wäre bereits am 11. Juni, aber das ist natürlich blanker Unsinn. Denn das hieße, man würde schon die inflationären 72 Gruppenspiele, die es braucht, um das aus 48 Teams bestehende Teilnehmerfeld auf 32 zu reduzieren, ernsthaft als Fußball-Weltmeisterschaft bezeichnen. Halte ich eher für ziemlich unangemessen.
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