Für die neueste Ausgabe seiner Kolumne „Ach, übrigens...“ hat sich „Krone Vorarlberg“-Autor Harald Petermichl mit einem deutschen Fußballverein auseinandergesetzt, der aktuell schwere Zeiten durchlebt. Und das, obwohl er vor 17 Jahren noch den Meistertitel in der Bundesliga holen konnte.
1938, im Jahr des „Anschlusses“, wurde unweit von Fallersleben ein Fußballverein mit einem ziemlich komplizierten Namen aus der Taufe gehoben. „Wettkampfgemeinschaft Betriebssportgemeinschaft Volkswagenwerk Stadt des KdF-Wagens“ lautete die etwas sperrige Bezeichnung für das Mitglied der Gauliga Südhannover-Braunschweig. Als die ehemalige Retorten-Arbeiterstadt 1945 auf Drängen der Besatzungsmächte in das heute bekannte Wolfsburg umbenannt wurde, entstand fast zeitgleich der neue Verein für Leibesübungen (VfL) Wolfsburg, der es ein halbes Jahrhundert später tatsächlich schaffte, in die Erste Liga aufzusteigen und in der Saison 2008/2009 mit Quälix Magath an der Seitenlinie sogar deutscher Meister wurde.
Alleinige Gesellschafterin
Frei nach Hildegard Knef („Von nun an ging’s bergab“) begann danach eine Art Achterbahnfahrt mit teilweise bemerkenswerten Erfolgen und anschließend ein schleichender Niedergang, der aktuell mit dem erstmaligen Abstieg in die Zweite Liga sein vorläufiges Ende gefunden hat. Welche Fehlentscheidungen in der Stadt am Mittellandkanal zu diesem Desaster geführt haben, können Fachleute besser beurteilen, aber es müssen ausschließlich (ziemlich viele) sportliche gewesen sein, denn wirtschaftlich hat man sich um den VfL zu keiner Zeit Sorgen machen müssen. Immerhin ist die Volkswagen AG alleinige Gesellschafterin der ausgelagerten Lizenzspieler-GmbH und hat sogar in wirtschaftlich unrosigen Zeiten lieber Teile der Belegschaft „freigestellt“, als ihr Millionen-Engagement für den VfL zu hinterfragen.
Der SV Amateure FIAT Wien
Weil es in Deutschland nicht erlaubt ist, Vereine nach Firmen oder Konzernen zu benennen (Chemische Ausnahmen bestätigen die Werksregel), heißt der Club aber nicht „Volkswagen Wolfsburg“, während er in Österreich sicher als „Porsche Wolfsburg“ firmiert hätte. Schließlich gab es auch mal die SV Amateure FIAT Wien, die es im Gründungsjahr der Kraft durch Freude-Kicker, also 1938, bis in die Ausscheidungsrunde Ostmark des nach Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten benannten Tschammerpokals (Vorläufer des DFB-Pokals) schaffte und dort mit 2:3 gegen Rapid Wien ausschied. Immerhin konnte man sich damit trösten, gegen den späteren Cupsieger verloren zu haben, denn die Hütteldorfer um Kapitän Franz Binder setzten sich im Endspiel mit 3:1 gegen den FSV Frankfurt aus Bornheim durch und werden so bis heute vom DFB in der Liste „Alle Pokalsieger“ geführt. Wie übrigens auch der First Vienna FC, der im Finale 1943 den Luftwaffensportverein Hamburg mit 3:2 nach Verlängerung bezwingen konnte.
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