Ach, übrigens...

Aytekin in Neuschwanstein

Vorarlberg
17.05.2026 09:25

Deutschlands Kultschiedsrichter Deniz Aytekin beendet seine Karriere. Und bekommt nun als Träger des Bayerischen Verdienstordens so einige Ermäßigungen, wie „Krone“-Autor Harald Petermichl in seiner neuesten Kolumne herausgefunden hat. Natürlich äußerst berechtigt, der Aytekin war ein Guter.

Wer „hervorragende Verdienste um den Freistaat Bayern und das bayerische Volk“ aufweisen kann, bekommt den Bayerischen Verdienstorden verliehen und muss als Träger desselben an der Ticketkasse beim Schloss Neuschwanstein keine 21 Euro löhnen, sondern hat zusammen mit einer Begleitperson freien Eintritt. Natürlich auch in andere bayerische Schlösser, Residenzen und sonstige Immobilien. Zudem gehört die kostenlose Nutzung der bayerischen Schifffahrt, etwa auf dem Ammer-, Königs- oder Tegernsee, zu den Privilegien der derzeit lebenden ca. 1.600 Ausgezeichneten. Wie oft der 2023 verstorbene Vorarlberger Alt-Landeshauptmann und Ordensträger Martin Purtscher zu Lebzeiten davon Gebrauch gemacht hat, ist nicht überliefert, aber es steht fest, dass Deniz Aytekin ab morgen viel Zeit haben wird, mit seinem Orden am einen oder anderen bayerischen Hotspot Einlass zu begehren.

Deniz Aytekin strafte zuletzt auch noch Bayerns Conny Laimer.
Deniz Aytekin strafte zuletzt auch noch Bayerns Conny Laimer.(Bild: EPA/ANNA SZILAGYI)

Denn der gebürtige Mittelfranke, dessen Eltern seinerzeit aus der ostthrakischen Provinz Tekirdag nach Deutschland ausgewandert waren, hat gestern sein letztes Bundesligaspiel gepfiffen und damit eine eindrucksvolle Karriere als Profi-Schiedsrichter beendet. Die Bundesliga-Premiere war 2008 und schon 2011 begab er sich in der Begegnung zwischen RNK Split und NK Domzale erstmals auf internationales Parkett. Es war gleichzeitig das Jahr, in dem er von den Bundesligaprofis zum schlechtesten Schiedsrichter der Saison gekürt wurde, warum auch immer. Aber frei nach dem Motto „The Times They Are a-Changin’“ kann der Mann mit der markanten Physiognomie gleich drei DFB- Auszeichnungen als „Schiedsrichter des Jahres“ aus den Jahren 2019, 2022 und 2024 dagegenhalten. So schlecht war er wohl doch nicht. War er natürlich nicht, ganz im Gegenteil.

Jedenfalls kann sich der gelernte Betriebswirt jetzt um seine Firmenbeteiligungen kümmern, wo er mit Online-Rechtsberatung, Parkraumbewirtschaftung und dem Vertrieb von Fitness-Artikeln zu tun hat. Seine ehemalige Mitwirkung beim Esoterikanbieter „adviqo“ mit dem schwurbelnden Sender „Astro TV“, der ab 2004 seine Zuseher:innen beglückt, amüsiert und teilweise auch ruiniert hat, mag man ihm als eine Art Jugendsünde nachsehen, denn immerhin hat Aytekin 2023 auch noch den von der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur vergebenen Preis für den besten Fußballspruch des Jahres verliehen bekommen. Und zwar für den an Thomas „Radio“ Müller gerichteten Satz „Wenn der Musiala anzieht und dir auf 80 Meter 60 bis 70 abnimmt, denkst du anders über dein Leben nach.“ Dem ist schwer etwas hinzuzufügen.

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