Schneiders Brille

Der Tag, als Evita starb

Menschen
26.07.2026 07:55
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

María Eva Duarte de Perón, in der Regel nur Evita genannt, ist vor 74 Jahren gestorben. Dennoch wird sie bis heute in Argentinien verehrt. „Krone“-Kolumnist Robert Schneider über eine Frau, die auch nach ihrem Tod weiterlebt.

Vor 74 Jahren, am Abend des 26. Juli 1952, standen die Uhren von Buenos Aires still. Der staatliche Rundfunk unterbrach sein Sendeprogramm. Eine sichtlich betroffene Radiostimme verlautbarte den „Tod der geistigen Führerin der Nation“, María Eva Duarte de Perón. Sie sei „in die Unsterblichkeit“ eingegangen. Dann folgte Trauermusik. Beethoven, Chopin.

Seit Monaten hatte das Land den körperlichen Verfall der Präsidentengattin miterlebt. Noch am 4. Juli war sie anlässlich der Vereidigung ihres Mannes abgemagert öffentlich aufgetreten. Nach der schockierenden Todesnachricht – Evita Perón wurde nur 33 Jahre alt – brach in den folgenden Tagen in Argentinien eine beispiellose Trauerwelle aus. Die Geschäfte schlossen, Blumen bedeckten ganze Straßenzüge in Buenos Aires. Tausende warteten im kalten Regen stundenlang, um am aufgebahrten Leichnam letzte Reverenz zu erweisen.

Evitas sterbliche Hülle wurde einbalsamiert und blieb auch nach dem Sturz von Juan Perón (1955) ein politisches Symbol. Die Militärjunta ließ den Leichnam heimlich außer Landes schaffen. Erst Jahrzehnte später fand er seine letzte Ruhestätte auf dem Friedhof Recoleta im Zentrum von Buenos Aires.

 Eva Duarte stammte aus einfachen Verhältnissen, weshalb die sogenannten „Descamisados“ (die „Hemdlosen“), also die Arbeiterschicht, in ihr eine Erlöserfigur erkannten. Allerdings beruhte ihre Popularität auf einer staatlichen Propaganda, die Juan Perón sehr geschickt betrieb. Ihre Stiftung, die Lebensmittel und Medikamente an die Ärmsten verteilen ließ, wurde aus Mitteln von Unternehmen und Gewerkschaften gespeist, die vom Militärchef erheblich unter Druck gesetzt worden waren.

Evita war das Janusgesicht eines autoritären Systems. Dennoch sind ihre emotionalen, beinahe religiösen Reden bis heute nicht vergessen.

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