Die „Krone“ Vorarlberg sprach mit dem gebürtigen Auer Peter Bayer (55), CEO der Racing Bulls, vor dem heutigen Ungarn-GP über seinen Werdegang vom Regelmacher zum Regelausreizer, seinen Blick auf das neue Reglement zur Saison-Halbzeit, die F1 als globales Phänomen und seine Pläne für die verdiente Sommerpause.
„Krone“: Die Racing Bulls feiern heuer ihre 20. Saison in der Königsklasse. Bevor Sie CEO des Teams geworden sind, haben Sie die Funktion des FIA-Generalsekretärs bekleidet. Ihre Aufgabenbereiche haben sich grundlegend geändert, oder?
Peter Bayer: Die Rolle im Team ist komplett entgegengesetzt zur Arbeit bei der FIA. Früher habe ich die Regeln geschrieben, jetzt versuchen wir die Regeln so weit wie möglich auszureizen und bewegen uns in einem Umfeld, wo man, zwischen der Freude über Punkte und gute Ergebnisse und den nicht so erfolgreichen Wochenenden, eine emotionale Achterbahn erlebt.
Früher habe ich die Regeln geschrieben, jetzt versuchen wir sie so weit wie möglich, auszureizen.
Peter Bayer
Apropos Regeln: 2026 kam es zum größten Regelumbruch in der Geschichte der Königsklasse. Wie groß war die Herausforderung für Sie und Ihr Team, euch darauf vorzubereiten? Und welches Feedback können Sie nun zur Halbzeit geben?
Im Reglement 2026 wurde bis auf das Lenkrad alles neu interpretiert. Wir mussten 2025 das aktuelle Auto entwickeln und gleichzeitig ein komplett neues Auto bestehend aus 16.000 Teilen bauen. Red Bull hatte zudem noch die Herausforderung, einen eigenen F1 Motor zu bauen – eine eigentlich unvorstellbare Herausforderung, die aber hervorragend gemeistert wurde. Wir haben zu 100 Prozent nachhaltiges Benzin entwickelt und arbeiten nun an den Herausforderungen der Motoren, die zu 50 Prozent Verbrenner sind und zu 50 Prozent elektrisch betrieben werden.
Einige Fahrer sind von den neuen Autos nicht sonderlich angetan und auch bei den Fans gehen die Meinungen auseinander. Silverstone, oder zuletzt auch Spa, haben die Probleme der aktuellen Fahrzeuggeneration ja durchaus aufgezeigt?
Strecken wie Silverstone oder Spa sorgen für Diskussionen, da die Batterien nicht stark genug sind und die Fahrer das „Vollgasgefühl” vermissen. Wir werden uns schrittweise bis 2028 an ein geändertes Reglement heranarbeiten, das diese Problematik beheben wird. Global sehen wir aber, dass viele Fans die F1 spannend finden und sehr positiv bewerten – die Formel 1 ist aktuell die weltweit populärste Sportserie, die es gibt. Es gibt einen phänomenalen Ansturm von Fans an allen Rennwochenenden. Zudem werden die F1-Rennen auch immer mehr zu echten Wochenendevents mit Konzerten, etc.
Die Formel 1 ist aktuell die weltweit populärste Sportserie, die es gibt.
Peter Bayer
Bleiben wir noch kurz bei Spa, eine Ihrer Lieblingsstrecken: Was macht Spa für Sie so besonders?
Spa ist die längste Strecke im Kalender und bietet immer Motorsport vom Feinsten mit legendären Streckenabschnitten wie die Eau Rouge. Ich habe hier auch schon einmal mit Derek Warwick (Anm.d.Red.: ehemaliger britischer Automobilrennfahrer und Motorsport-Kommentator) ein paar Runden gedreht.
Ihr hattet in Spa neue Teile dabei, die vorerst nur auf einem Auto installiert wurden. Seid ihr mit dem Update zufrieden?
Ja, die Daten von Spa waren sehr vielversprechend und wir haben es geschafft, Alpin einzuholen. In Budapest haben wir das Upgrade nun auf beiden Autos. Es ist immer eine komplexe Aufgabe, eine aerodynamische Idee über Computersimulationen und den Windkanal zu entwickeln und dann auf das Auto zu packen. Unsere Ingenieure haben da einen sehr guten Job gemacht.
Abschließend: Nach dem heutigen GP geht es für die Formel 1 in die Sommerpause: Wie werden Sie den Sommer verbringen?
Die Sommerferien verbringe ich immer mit meiner Familie. Wir fahren ein paar Tage nach Griechenland ans Meer und dann in die Berge. Leider schaffen wir es dieses Jahr nicht in die Heimat. Ein paar Tage im Bregenzerwald wären mein Wunsch.
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