Im Landtag wird die SPÖ die Aussetzung der geplanten Schließungen in Niederösterreich beantragen. Ärzte mit Notfall-Erfahrung unterstützen diesen Vorschlag. Wie reagiert die Landeskoalition?
Elf Notarzt-Stützpunkte in Niederösterreich sollen 2027 geschlossen werden. So sieht es der große NÖ Gesundheitsplan vor. Mit Waidhofen an der Ybbs, Ybbs-Persenbeug und Pöggstall stehen im Mostviertel gleich drei Standorte auf der „Abschussliste“. In der Region regt sich immer mehr Widerstand, je näher die endgültige Entscheidung rückt. Aber: Kommt es zu dieser überhaupt in absehbarer Zeit?
Entscheidung im Landtag
Heute in einer Woche soll es soweit sein: „Das Thema wird im Landtag auf der Tagesordnung stehen“, bestätigt SPÖ-Vorsitzender Sven Hergovich. Er kündigt einen Antrag zur Absicherung aller bestehender Notarzt-Stützpunkte an: „Es darf keine Schließungen geben, solange kein gleichwertiger Ersatz zur Verfügung steht.“ Das sei auch im NÖ Gesundheitsplan ausdrücklich festgehalten. Zehn Accute-Community-Nursing-Standorte (ACN) sollen die elf Notarzt-Stützpunkte in Zukunft ersetzen. „Allerdings soll erst 2028 mit dem Ausbau dieser mobilen Notfall- und Pflegeeinsatzteams begonnen werden“, berichtet Hergovich: „Daher kann man nicht bereits 2027 die Notarzt-Schwerpunktpunkte zusperren!“
Sorgen und Ängste
Unterstützt wird Hergovich von seinem Parteigenossen Alois Schroll: „Das Aus der Notärzte bereitet der Bevölkerung Sorgen und Ängste“, erklärt der Nationalrat aus dem Bezirk Melk. Denn auch in den regionalen Spitälern sei künftig keine umfassende Versorgung vorgesehen: „Melk wird eine Geriatrieklinik und ist kein vollwertiges Spital mehr, in Waidhofen an der Ybbs werden Abteilungen geschlossen – und dann bleib nur noch Amstetten übrig.“
„Zu lange Anfahrtswege“
Verstärkung bekommen die beiden Politiker von Medizinern aus der Region, die Erfahrungen als Notärzte haben. Primar Dr. Albert Reiter, Dr. Tarik Farahat und Dr. Georg Csaicsich brechen eine Lanze für die regionalen Stützpunkte. Ihr Hauptargument: Bei einer Halbierung der Zahl der Standorte im Mostviertel könnten sich zu lange Anfahrtswege zu Notfällen ergeben. Und auch der Tele-Notarzt sei im Mostviertel zwar eine gute Ergänzung, aber kein gleichwertiger Ersatz: „In manchen Gebieten gibt es keinen Empfang.“
Wir nehmen irritiert zur Kenntnis, dass die SPÖ die eigene Landesrätin für den Umsetzungsstand des Gesundheitsplans in ihrem Verantwortungsbereich kritisiert.

Franz Dinhobl, ÖVP-Gesundheitssprecher
Bild: Philipp Monihart
Landeskoalition schlägt zurück
Doch sind die Sorgen der Mediziner unbegründet? ÖVP-Gesundheitssprecher Franz Dinhobl wirft der SPÖ vor, „populistisch mit Nullanträgen herumzuwerfen“. Und sein freiheitlicher Amtskollege Richard Punz erinnert die Genossen daran, dass SPÖ-Landesrätin Eva Prischl für das Notarztwesen zuständig sei. Jedenfalls will die Landeskoalition kommende Woche im Landtag festhalten, dass „es erst eine Änderung an bestehenden Strukturen geben wird, wenn Ersatz besteht“. Also viel Lärm um nichts? In einer Woche wird man‘s wissen . . .
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