Kritiker der verpflichtenden Sommerschule haben Recht: Zwei Wochen Deutsch-Unterricht werden die Probleme des österreichischen Bildungssystems nicht lösen. Trotzdem ist die Maßnahme richtig.
Erstmals ist die Sommerschule für Kinder mit unzureichenden Deutschkenntnissen Pflicht. 1563 Schüler sind es aktuell in der Steiermark, die hierfür registriert wurden – bis zum Zeugnistag dürften es noch mehr werden.
Kritik kommt nun von Lehrern und Direktoren; man befürchtet, dass der Aufwand für die einzelnen Bildungseinrichtungen in keinem Verhältnis zum Output steht. Die Zweifel könnten berechtigt sein. Diese zwei Wochen Intensivkurs werden weder die mangelnde Integration beheben noch jahrelange Sprach-Defizite ausgleichen. Trotzdem ist die Maßnahme richtig. Denn die Alternative wäre, nichts zu tun.
Auf zusätzliche Förderung zu verzichten, nur weil sie allein nicht ausreicht, wäre eine seltsame Logik. Problematisch ist etwas anderes: Dass die Politik die Sommerschule als großen Wurf verkauft, während die schwierigeren Baustellen mehr oder weniger unangetastet bleiben. Vielerorts fehlen fixe Deutschförderkräfte, immer mehr Schulstandorte kämpfen mit knappen Ressourcen – und die seit Monaten laufende Debatte über die Kürzung von Fördermittel in der Steiermark zeigt, wie schnell gute Vorsätze an Budgetgrenzen stoßen.
Zwei Wochen Sprachförderung können ein sinnvoller Baustein sein, aber eben nur ein Baustein. Wer Integration und Bildungserfolg ernst nimmt, muss dort investieren, wo Sprache tatsächlich gelernt wird: im Kindergarten und im regulären Unterricht. Alles andere ist ein Sommerprojekt für ein Ganzjahresproblem.
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