Schneiders Brille

Von der Schnappatmung des deutschen Films

Vorarlberg
04.06.2026 14:45

Beim Filmfest Cannes haben jüngst in Deutschland lebende Filmschaffende (İlker Çatak, Tom Tykwer, Nora Fingscheidt, Kurdwin Ayub und Helene Hegemann) das Projekt „DOGMA 25 Germany“ vorgestellt. „Krone“-Kolumnist Robert Schneider hält von diesem nicht viel.  

Der deutsche Film hat es nicht leicht. Das mussten auch fünf in Deutschland lebende Filmschaffende einräumen, als sie so Hand in Hand die Promenade de la Croisette in Cannes entlang flanierten, auf den Spuren ihrer Lieblingsstars und -regisseure. Wir müssen uns einfach neu erfinden, wird der eine plötzlich in das Schweigen unter Palmen geworfen haben. Und das war nicht irgendwer. Es war der Regisseur Tom Tykwer, der mit „Lola rennt“ (1998) einen internationalen Publikumserfolg landete, dann jedoch mit hoch budgetierten Streifen wie „Der Krieger und die Kaiserin“ (2002) und Süskinds „Das Parfum“ (2006) einen Flop nach dem anderen lieferte.

Ein radikaler Gegenentwurf zum Mainstream-Kino müsse her, hieß es. Ohne das Internet, ungeschminkt und schnell. Und prompt hatten die fünf ein Manifest zur Hand, dessen Realisierung die Kinokassen wieder füllen soll.

Über dieses Manifest kann der eingefleischte Cineast nur müde lächeln. Es nennt sich etwas sperrig – wie der deutsche Film halt nun mal ist – „DOGMA 25 Germany“. Was ist daran so neu? Nichts. Rein gar nichts. Im Grunde beruft sich das Manifest auf Lars von Trier und Thomas Vinterberg, die vor 31 Jahren mit ihren Dogma-Filmen atemberaubende Filmgeschichte schrieben.

Unsere fünf Flaneure an der Croisette gehen natürlich erheblich weiter als Von Trier. Denn das Filmequipment muss jetzt gemietet, zumindest gebraucht sein (ist es das nicht immer?). Schauspieler dürfen kein Make-up tragen, nur die Hälfte des Films darf Dialog enthalten, Locations dürfen nicht übers Internet gesucht werden, nur zehn Leute sollen hinter der Kamera arbeiten, …

Wie wäre es zur Abwechslung mal mit funktionierenden Drehbüchern? Denn bei allem „Dogma“ eines Lars von Trier. Seine Drehbücher waren einfach gut geschrieben.

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