Eine Findungskommission aus zehn Stiftungsräten und einem Notar hat am Montagnachmittag aus über 70 Bewerbern für den ORF-Generaldirektor eine Shortlist mit 13 Namen erstellt. Alle Kandidaten, die die formalen Kriterien nicht erfüllt haben, und Spaßkandidaten wie ein Herr „Pimmelmann“ wurden gestrichen. Ein Streichkonzert steht auch beim Programm an ...
77 Bewerbungen sind eingelangt, 75 davon rechtzeitig. Die Findungskommission hat die Bewerbungen beurteilt und festgestellt, wer die Ausschreibungskriterien erfüllt – 13 Bewerberinnen und Bewerber sind nun eine Runde weiter im Rennen um den ORF-Chefsessel. Diese Liste wird von der Findungskommission nun dem gesamten 35-köpfigen Stiftungsrat vorgelegt. Jeder Stiftungsrat kann dann einen oder mehrere Kandidatinnen für das Hearing am 8. Juni nominieren.
Namen wurden in der Aussendung am Montagnachmittag nach der Sitzung keine genannt, als Favoriten für den Job an der Spitze des ORF gelten aber – wie berichtet – APA-CEO Clemens Pig, der frühere ProSiebenSat.1Puls4-Geschäftsführer Markus Breitenecker, ORF-Magazinchefin Lisa Totzauer, Ex-HBO-MAX-Manager Johannes Larcher und ORF-III-Co-Geschäftsführerin Kathrin Zierhut-Kunz.
Eine der chancenlosen Bewerberinnen, ORF-Journalistin Sonja Sagmeister, läuft gegen die Vorgehensweise, dass die noch im Rennen verbliebenen von einem Stiftungsrat nominiert werden müssen, Sturm: „Das Bestellprozedere basiert auf politischen und persönlichen Empfehlungen. Unabhängige Kandidaten haben keine Chance, im Hearing auftreten zu dürfen.“
ORF-Belegschaftsinitiative übermittelt Protestnote
Protest kommt auch von der ORF-Belegschaftsinitiative #mituns. Die 35 Stiftungsräte erhielten von diesen ein „Hilfspaket“ mit den wichtigsten Passagen aus dem ORF-Gesetz, die maßgeblich für eine unabhängige ORF-Direktorenwahl sind. Auch ein Kugelschreiber in „politisch unverfänglicher Farbe“ und ein „Geistesblitz“-Tee finden sich u.a. darin.
Nächstes Streichkonzert steht an
Sobald der neue ORF-Chef feststeht, steht das nächste Streichkonzert an. Es wird erwartet, dass zusätzlich zum gegenwärtig zu stemmenden Sparpaket ein weiteres in Höhe von 80 bis 90 Millionen Euro pro Jahr kommt. Dem Vernehmen nach sollen beide Geschäftsführer von ORF III (ihre gemeinsamen Gehälter belaufen sich auf 607.000 Euro pro Jahr) ihren Posten verlieren sowie ein beurlaubter ORF-Enterprise-Chef, zur Disposition steht einmal mehr das Radiosymphonie-Orchester, gefährdet ist auch der Spartensender ORF Sport+.
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