Causa Lohntransparenz

„Haben in Österreich eine starke Neidgesellschaft“

Innenpolitik
01.06.2026 07:06
Porträt von krone.at
Von krone.at

Österreich muss bis 7. Juni neue EU-Vorgaben zur Entgelttransparenz umsetzen. Georg Knill, Präsident der Industriellenvereinigung, übt scharfe Kritik an der Richtlinie. Ein großes Problem sieht er vor allem in der österreichischen Mentalität.

Die EU-Richtlinie verpflichtet Unternehmen zu mehr Transparenz: Gehaltsstrukturen müssen offengelegt, Lohnunterschiede zwischen Männer und Frauen sichtbar gemacht und ein umfassendes Auskunftsrecht für alle Beschäftigten eingeführt werden. Aktuell soll der Entwurf auch vorsehen, dass bei Verstößen Strafzahlungen drohen.

Regierung ringt um Einigung
In Österreich ringt die Regierung nach wie vor um eine Einigung, doch die Zeit drängt, denn auch seitens der EU drohen Strafzahlung in Millionenhöhe, sollte die Richtlinie nicht schnellstmöglich umgesetzt werden.

Damit Frauen und Männer bald gleich und fair bezahlt werden, hat die EU 2023 eine ...
Damit Frauen und Männer bald gleich und fair bezahlt werden, hat die EU 2023 eine Lohntransparenz-Richtlinie beschlossen.(Bild: Krone KREATIV/stock.adobe.com)

Österreich: Frauen verdienen um 17 % weniger als Männer
Aktuell ist die Situation so, dass Frauen in Österreich um 17 Prozent weniger verdienen als Männer. Damit liegt Österreich im EU-Raum am drittletzten Platz, vor Tschechien und Estland. „Gleiche Arbeit, gleicher Lohn“, so das Credo von Georg Knill, Präsident der Industriellenvereinigung. Das Thema sei für ihn seit Jahren wichtig. Dennoch spricht er sich gegen die Entgelttransparenzrichtlinie aus, die mit 7. Juni in Kraft treten soll. „Ich brauche die Richtlinie nicht“, sagte Knill in der ORF-Sendung „ZiB2“.

„25 von 27 EU-Staaten machen nicht mit“
Die Richtlinie sollte in einer Woche in nationales Recht umgesetzt werden. Aber 25 von 27 EU-Staaten würden dies nicht machen, so Knill.

Für den IV-Chef bedeutet diese Richtlinie für Unternehmen vor allem zusätzliche Bürokratie: „Das sind 150 Seiten, zwei Kilo Bürokratie“, gab Knill zu bedenken. Die Richtlinie sieht vor, dass Unternehmen mit 100 bis 250 Mitarbeitern alle drei Jahre und Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten jährlich einen Bericht über die Gehaltsunterschiede vorlegen müssen. Ein Teil des Gehaltsunterschiedes sei auf die Berufswahl, auf die Branchen und die Teilzeitarbeit zurückzuführen, sagte der IV-Chef. Würde man dies herausrechnen, stünde Österreich im EU-Vergleich nicht so schlecht da.

Kritik an österreichischer Neidgesellschaft
Zudem würde die Kollektivverträge in Österreich einen wesentlichen Teil der Richtlinie vorwegnehmen. Ein weiteres Problem in puncto Transparenz sieht Knill in der österreichischen Mentalität: „Wir haben in Österreich eine stark ausgeprägte Neidgesellschaft.“

„Gut gedacht, aber schlecht gemacht“
Für den Präsidenten der Industriellenvereinigung ist die Richtlinie „gut gedacht, aber schlecht gemacht“. Zahlreiche Unternehmen würden schon jetzt gemeinsam mit den Betriebsräten an Lösungen arbeiten. Und das Gleichbehandlungsgesetz biete bereits jetzt die Möglichkeit, zivilrechtlich Ansprüche durchzusetzen. Es bestehe jedoch keine Notwendigkeit, die Richtlinie freiwillig vorzeitig umzusetzen. Denn er gehe davon aus, dass diese noch überarbeitet werde, so Knill.

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