
Wo heute in Aflenz an der Sulm (Leibnitz) nur noch Wiese ist, war zwischen 1944 und 1945 ein KZ-Außenlager von Mauthausen. Mindestens 62 Menschen starben hier. Bis Oktober entsteht dort nun eine Gedenkstätte für die Opfer der NS-Gräuel.
„Dieser Ort trägt schwerwiegende Geschichte in sich“, sagt Marko Mele, Leiter des Universalmuseums Joanneum, auf der eher unscheinbaren Wiese in Aflenz an der Sulm. Doch sehen kann man nichts mehr davon, dass hier einst ein KZ-Außenlager von Mauthausen war. 1944 wurde es für die Rüstungsproduktion errichtet, bis zu 650 Häftlinge waren hier zeitweise gleichzeitig interniert, mussten Zwangsarbeit im angrenzenden Römersteinbruch leisten – unter oft horrenden Bedingungen. Mindestens 62 Menschen kamen infolge der extremen Arbeitsbedingungen und durch Misshandlungen ums Leben.
„Ich mache seit zehn Jahren als ausgebildeter Mauthausen-Guide hier schon Führungen, vor allem mit Schulklassen, und vermittle ihnen, was hier passiert ist“, sagt Peter Stradner, Bürgermeister von Wagna. Einen echten Gedenkort gab es bis dato aber nicht. Durch ein Leader-Projekt in Kooperation mit dem Institut für Kunst im öffentlichen Raum soll sich das nun ändern. Bis Oktober entsteht für knapp 300.000 Euro das sogenannte „Aflenz Memorial“.
Es ist die Kulmination einer jahrzehntelangen Bemühung von vielen Menschen – vor allem aber ist es ein Herzensprojekt der Künstlerin Milica Tomic: „Als ich vor mehr als zehn Jahren das erste Mal hierherkam und nur ein Maisfeld sah, hab ich mich gefragt: Was verbirgt die Natur hier?“, erinnert sie sich. Doch im Laufe der Jahre wurde ihr bewusst: „Der Boden ist auch ein Archiv, das wir nutzen können.“
Pflanzensamen aus der NS-Zeit
Im Zuge von Grabungen wurden nicht nur Hinterlassenschaften der Insassen gefunden; vor allem fand man Samen von Pflanzen, die schon in der NS-Zeit hier wuchsen. Diese sollen nun wieder ausgesät werden. So soll ein lebendiges Mahnmal entstehen, das von Menschen aus der Region wie auch von Besuchern gepflegt wird. So soll die Erinnerung an die Verbrechen am Leben gehalten werden.
Zudem sollen Wege entlang der ehemaligen Lagergrenzen aufgeschüttet werden, über die man das Erinnerungsareal abwandern kann. Weiterhin wird das Areal, das die Firma Holcim für 25 Jahre gratis für das Memorial zur Verfügung stellt, auch wie bis zuletzt weiter landwirtschaftlich genutzt werden: „Hier werden Mais, Senf und Buchweizen wachsen. Der Ertrag geht an die Gemeinschaft – als Zeichen des Miteinanders“, sagt Bürgermeister Peter Stradner.
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