Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft möchte zum dritten Mal Anklage gegen Milliardenpleitier René Benko erheben. Erneut könnte in Innsbruck verhandelt werden: Es dürfte um einen Waffenverkauf und um eine 5-Millionen-Euro-Garantie gegenüber Hans Peter Haselsteiner gehen.
René Benko galt Zeit seines Berufslebens als Waffennarr. Er gönnte sich nicht nur Eigenjagden, die teils über die Signa-Gruppe, teils über eine Stiftung liefen, sondern auch schöne Schusswaffen, darunter eine Doppelbüchse einer Kärntner Nobelmanufaktur, in dem mit Gold seine Initialen eingearbeitet waren. Dieses einstige Schmuckstück aus dem Waffenschrank des Signa-Gründers ist längst einer Versteigerung zum Opfer gefallen.
„Inhaltlich unrichtige Rechnung...“
Zehn weitere Waffen aus dem Schrank des Milliardenpleitiers sollten noch im Herbst 2023, wenige Wochen vor dem Einsetzen des Konkurs-Dominos in der Signa-Gruppe, an die Tochterfirma einer Benko-Stiftung verkauft werden. So weit, so gut. Jedoch: Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) wirft dem 49-jährigen Tiroler vor, er habe am 23. September 2024, rund sechs Monate nach seiner persönlichen Insolvenz als Einzelunternehmer, „eine inhaltlich unrichtige Rechnung über den vorgeblichen, tatsächlich nicht stattgefundenen Verkauf von drei (…) verheimlichten Schusswaffen“ vorlegen lassen. Von einem seiner Rechtsvertreter. Dabei soll ihm eine Vertrauensperson behilflich gewesen sein.
Ebendiesen Sachverhalt könnte die WKStA demnächst zur Anklage bringen – laut der Ermittlungsbehörde liegen Vorhabensberichte, die inhaltlich freilich nicht kommentiert werden, derzeit zur Prüfung im Justizministerium. Benko und seine Anwälte bestreiten sämtliche Vorwürfe; es gilt die Unschuldsvermutung. Die Beschuldigten hätten, sofern eine Anklage eingebracht wird, noch eine Einspruchsmöglichkeit. Sollte die Anklage rechtskräftig werden, dürfte – womöglich noch vor dem Hochsommer – zum dritten Mal in Benkos Heimatstadt Innsbruck verhandelt werden.
Betrugsvorwurf
Der zweite Aspekt der dritten Anklage gegen Signa-Gründer Benko könnte den Vorwurf des schweren Betrugs betreffen: So soll Benko seinem väterlichen Freund Hans Peter Haselsteiner am 6. November 2023, in der Hochphase der Signa-Turbulenzen, über dessen Stiftung noch fünf Millionen Euro herausgelockt und per persönlicher, notariell beglaubigter Garantieerklärung dafür geradegestanden haben. Das Geld war zur Rettung der Signa-Tochter Sportscheck gedacht, die kurz darauf dennoch in die Pleite schlitterte.
Aus Sicht der Ermittler soll Benko im November 2023, als er das Geld von Haselsteiners Stiftung loseiste, bereits seit etwa zehn Monaten zahlungsunfähig gewesen sein. Der langjährige Benko-Intimus Haselsteiner erklärte den Ermittlern, man habe sich „auf Benko verlassen“.
Benko bestreitet auch diese Vorwürfe vehement. Seine Anwälte betonen, dass „der vermeintliche Betrug schon deshalb scheitert, weil es überhaupt keinen Schaden gibt“ – Haselsteiners Stiftung habe nämlich eine Forderung bezahlt, die längst fällig gewesen wäre.
Im Gasthaus in Tirol
Interessant erscheint jedenfalls, dass Bau-Tycoon Haselsteiner seinen Freund Benko bereits im Jänner 2024 in der ZiB 2 aufgefordert hatte, für das Signa-Desaster die Verantwortung zu übernehmen. Noch im Juli 2024 traf man sich im Gastgarten eines Wirtshauses im Tiroler Festspielort Erl – und begegnete einander trotz der Milliardenpleiten in trauter Zweisamkeit. Offensichtlich liegen noch immer nicht alle Aspekte dieser langjährigen Männerfreundschaft auf dem Tisch …
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