Viel weniger Verkehr

So sollen die Autos jetzt aus den Bezirken raus

Wien
28.05.2026 14:04

Die Stadt will den Kfz-Verkehr in den Wohngebieten jetzt massiv reduzieren und setzt dazu auf neue „Low Traffic Grätzel“. Mit Autosperren, Begrünung Fußgängerzonen und neuen Einbahnen. Als Vorbild dient die britische Metropole London

„Es geht darum, den öffentlichen Raum den Menschen zurückzugeben. Das ist eine sehr schnelle und kostengünstige Möglichkeit“, kündigte Verkehrsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) am Donnerstag die neueste Verkehrsmaßnahme der Stadt an. Die Rede ist von sogenannten „Low Traffic Grätzel“. Sie sollen jetzt den Durchzugsverkehr in den Wohngebieten unterbinden und dort neue Aufenthaltsräume schaffen. Als Vorbild dafür dient die britische Metropole London, wo es bereits über 200 dieser Zonen gibt.

Ein Teil der Wolfganggasse, bei der Tichtelgasse in Meidling, wird zur Fußgängerzone. Auch das ...
Ein Teil der Wolfganggasse, bei der Tichtelgasse in Meidling, wird zur Fußgängerzone. Auch das Gebiet zwischen Längenfeldgasse – Steinbauergasse – Siebertgasse – und Arndtstraße wird umgestaltet. Es kommt eine geänderte Verkehrsführung und farbige Bodenmarkierungen.(Bild: Martin A. Jöchl)

Passieren soll das alles mit Poller, Pflanztrögen, Straßenbemalungen und Fußgängerzonen. Autos können so nicht mehr durch das Grätzel fahren und werden auf die Hauptstraßen umgeleitet. Der Auftakt erfolgte in der  Wolfganggasse in Meidling. Mit dabei waren Gemeinderätin Angelika Pipal-Leixner (Neos), Meidlings Bezirksvorsteher Wilfried Zankl, Mariahilf Bezirksvorsteherin Julia Lessacher, Alsergrund Bezirksvorsteherin Saya Ahmad und Bezirksrat aus Rudolfsheim-Fünfhaus André Stolzlechner (alle SPÖ). In dem Pilotgebiet entsteht bis zum Jahresende eine Fußgängerzone mit neuen Einbahnregelungen und Sitzmöglichkeiten. „Ich finde die Idee wirklich super. Wir fordern das hier schon seit Jahren, wussten bis jetzt aber von nichts“, so Anrainerin Gerti Mayerhofer.

Öffistadträtin Ulli Sima (SPÖ) unterwegs: Zum „Auto raus“-Termin mit Dienstauto und Chauffeur. ...
Öffistadträtin Ulli Sima (SPÖ) unterwegs: Zum „Auto raus“-Termin mit Dienstauto und Chauffeur. In das Rathaus ging es dann mit einem Bus der Wien Linien.(Bild: Privat)

Drei Bezirke stehen bereits in den Startlöchern
Die nächsten Standorte sind jedenfalls bereits fixiert. In Mariahilf ist das Gebiet nördlich der Gumpendorfer Straße/ Richtung Christian-Broda-Platz dran. Auch die Mariannengasse am Alsergrund und die Gegend rund um den Schwendermarkt in Rudolfsheim-Fünfhaus werden folgen. In Zeiten des Sparens sei es wichtig, kostengünstige Modelle ohne große bauliche Maßnahmen umzusetzen, argumentiert Sima. Pro Bezirk werden von der Stadt 50.000 Euro dafür zur Verfügung gestellt.

Übrigens: Verkehrsstadträtin Sima reiste zu dem „Auto raus“-Termin als einzige Teilnehmerin mit Chauffeur an. In das Rathaus ging es dann aber umweltfreundlich mit den Öffis.

Die Zufahrt für Lieferungen, Anraine, Einsatzfahrzeuge soll in den „Low Traffic Grätzel“ ...
Die Zufahrt für Lieferungen, Anraine, Einsatzfahrzeuge soll in den „Low Traffic Grätzel“ bestehen bleiben, nur der Durchzugsverkehr wird unterbunden. Radfahren soll überall möglich sein.(Bild: 2026 ZOOMVP_StadtWienMarketing)

Anders als die Superblocks aus Barcelona, das Vorbild für das Supergrätzel in Favoriten war, geht es bei den Londoner „Low Traffic Neighbourhoods“ wie auch die „Low Traffic Grätzel“ in Wien übrigens um kleinräumige und schnell umzusetzende Maßnahmen. Das Supergrätzel im 10. Bezirk ist bisher die einzige Realisierung des Konzepts der Superblocks in der Bundeshauptstadt. Dort wurden 15 Blocks zusammengefasst, die Durchfahrt unterbunden, neue Grünflächen geschaffen und 100 Bäume gepflanzt. Die Schule im Viertel bekam einen ruhigen Vorplatz, viele Sitzgelegenheiten wurden aufgestellt. Im Projektgebiet wohnen rund 3200 Personen. Das Projekte kostete allerdings Millionen. 

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