Wo der Ausweg liegt

Seltene Erden: Österreich hängt am Tropf von China

Wirtschaft
12.05.2026 12:27

Österreichs Industrie ist bei strategischen Rohstoffen stark von China abhängig. Das macht uns erpressbar. Heimische Thinktanks zeigen, wo der Ausweg aus der Verwundbarkeit liegen kann.

Ob Lithium für Batterien, Magnesium für den Bau oder seltene Erden für Windturbinen: Österreichs Industrie braucht strategische Rohstoffe, um zu funktionieren. Bei acht von 17 dieser Rohstoffe sind wir aber das EU-Land mit der höchsten Abhängigkeit von China. An diesem Tropf hängt viel: Mehr als die Hälfte von Österreichs Jahresexporten – insgesamt ein Volumen von 97 Milliarden Euro – benötigen kritische Rohstoffe.

Verwundbare Exportindustrie
Besonders verwundbar sind dabei die heimische Automobil-, Stahl- und Maschinenbauindustrie, die gemeinsam rund 24 Milliarden Euro an Produkten exportieren, in denen die Lieferketten stark gefährdet sind. Das zeigt eine Analyse des KONTEXT-Instituts auf Basis von Daten des Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII). Diese Abhängigkeit berge Risiken bei der Versorgungssicherheit, mache Österreich weniger wettbewerbsfähig und politisch erpressbar, so die Institute.

In der EU wurden bereits Rahmenbedingungen gesetzt, um die Abhängigkeit zu reduzieren. So sollen Importländer diversifiziert werden, der Eigenabbau von seltenen Erden gefördert und das Recycling kritischer Rohstoffe gesteigert werden.

Scheitern an der Realität
Oft scheitern diese Schritte aber an der Realität, wie die Thinktanks aufzeigen. So gebe es bei vielen Rohstoffen keine Möglichkeit, sie woanders herzubekommen. Der Eigenabbau löse das Problem nicht, wenn die Rohstoffe weiterhin außerhalb Europas verarbeitet werden. Auch Recycling ist laut der Analyse derzeit begrenzt: Neun der 17 strategischen Rohstoffen werden bisher kaum recycelt. Zudem schränken die fehlenden Verarbeitungskapazitäten die Wirksamkeit des Recyclings in der EU ein.

Peter Klimek von ASCII im krone.tv-Studio
Peter Klimek von ASCII im krone.tv-Studio(Bild: krone.tv )

„Keine abstrakte Gefahr“
Die beiden Institute sehen daher Kreislaufwirtschaft als besten Ausweg aus der Abhängigkeit an. „Die Daten zeigen eindeutig: Die Verwundbarkeit unserer Lieferketten ist keine abstrakte Gefahr, sondern eine strukturelle Herausforderung mit direkten wirtschaftlichen Konsequenzen. Mehr Kreislaufwirtschaft kann daher eine doppelte Dividende in Form von mehr Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit einbringen“, betont Peter Klimek, Direktor des Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII).

Um die Versorgungssicherheit bei kritischen Rohstoffen in Österreich zu erreichen, brauche es „alle Hebel der Kreislaufwirtschaft“, ergänzt KONTEXT-Vorständin Katharina Rogenhofer: „Von der Reduktion der Nachfrage über Materialeffizienz und Langlebigkeit bis hin zu Wiederverwendung und Recycling.“ Sie fordert einen Mix aus politischen Maßnahmen. Dazu gehören verbindliche Ökodesign-Standards in kritischen Produktgruppen oder auch ein „Recht auf Reparatur“, wo es technisch machbar und wirtschaftlich sinnvoll ist.

Katharina Rogenhofer vom KONTEXT-Institut fordert einen politischen Paradigmenwechsel.
Katharina Rogenhofer vom KONTEXT-Institut fordert einen politischen Paradigmenwechsel.(Bild: APA/ROLAND SCHLAGER)

Mehr Recycling essenziell
Essenziell sei zudem der Ausbau von Recyclingkapazitäten. Elektronikschrott oder Bauabfälle sollten effizienter recyclet werden, seltene Erden könne man aus Permanentmagneten in Motoren gewinnen. In der stark abhängigen Auto- und Stahlindustrie könnten solche zirkulären Materialien verstärkt eingesetzt werden. Potenzial sieht das KONTEXT-Institut auch durch Leichtbau und Miniaturisierung. 

Durch Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel, Carsharing, Sanierung oder Energieeffizienzmaßnahmen werde zudem der Rohstoffbedarf reduziert, ohne dass die Bedarfsdeckung oder die wirtschaftliche Dynamik geschmälert werde, so die Analyse.

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