„Ist ein Wendepunkt“

Hohe Spritpreise beflügeln Nachfrage nach E-Autos

Wirtschaft
20.05.2026 12:23
Porträt von krone.at
Von krone.at

Staatliche Förderprogramme und die hohen Benzinpreise lassen Europas Verbraucherinnen und Verbraucher zu Elektroautos greifen – auch in Ländern, in denen diese Fahrzeuge bisher kaum eine Rolle spielen. Auch in Südeuropa steigt nun die Nachfrage.

Online-Marktplatzbetreiber berichten nicht nur aus Deutschland, Frankreich und anderen Ländern über eine steigende Nachfrage, in denen Elektroautos schon länger zum Straßenbild gehören. Auch in Italien, Spanien oder Polen entscheiden sich immer mehr Menschen für ein E-Auto. Einige Branchenexperten gehen nun davon aus, dass die Technik ihren Durchbruch geschafft hat. „Das ist kein einmaliger Anstieg, das ist ein Wendepunkt“, sagte Gurjeet Grewal, Chef von Octopus Electric Vehicles.

Nach Daten des Analysehauses New Automotive und des Branchenverbandes E-Mobility Europe, in dem Elektroautobauer, Zulieferer und Flottenbetreiber vertreten sind, legte der Absatz von Elektroautos im April in den 15 wichtigsten europäischen Staaten um gut ein Drittel zu. Insgesamt wurden im vergangenen Monat gut 200.000 Elektroautos neu zugelassen, das entspricht einem Anteil von mehr als einem Fünftel an den gesamten Neuzulassungen.

Das Balkendiagramm zeigt den Autobestand in Österreich 2025 im Vergleich zu 2015. Die Zahl der Pkw steigt von 4,748 Millionen auf 5,286 Millionen. Der Anteil von Diesel sinkt von 56,9 % auf 45,5 %, während Benzin leicht von 42,5 % auf 41,2 % zurückgeht. Elektroautos steigen von 0,1 % auf 4,9 % und Hybrid sowie sonstige Antriebe von 0,4 % auf 8,4 %. Quelle: Statistik Austria.

E-Auto-Markt gewinnt an Dynamik
Dabei bleibe Deutschland der absatzstärkste Markt, das stärkste Wachstum seit Jahresbeginn sei jedoch in Italien zu verzeichnen. Aber auch in Spanien und Polen entschieden sich mehr Käufer für ein E-Auto. „Die Zahlen von April zeigen, dass der europäische Elektroautomarkt ernsthaft Schwung aufnimmt“, sagte Chris Heron, Generalsekretär bei E-Mobility Europe.

Gefragt sind insbesondere günstige Einstiegsmodelle. Volvo verzeichnet nach den Worten von Vertriebschef Erik Severinsson eine steigende Nachfrage insbesondere nach dem kleinen SUV EX30. Dieser sei in dem Segment positioniert, in dem die Kunden am stärksten auf Spritpreisänderungen reagierten, sagte er. Auch in Südeuropa nehme das Interesse zu.

Markus Haupt, im Volkswagen-Konzern zuständig für die Marken Seat und Cupra, sagte, in Deutschland machten Elektroautos inzwischen 60 Prozent der Bestellungen bei Cupra aus. Sein Unternehmen habe angesichts der Einführung des elektrischen Kleinwagens Raval ohnehin geplant, die Produktion zu steigern. „Wir haben ein Produktionsbudget für dieses Jahr ... aber vielleicht müssen wir den Anteil der Elektroautos erhöhen“, sagte er. Bei Renault machten Elektrofahrzeuge im April die Hälfte des gesamten Absatzes aus. Einem Insider zufolge soll hier nun die Produktion gesteigert werden.

Suchanfragen auf Online-Marktplätzen nehmen zu
Auch für die kommenden Wochen ist ein weiteres Plus zu erwarten, wenn man den Suchanfragen auf Online-Marktplätzen glauben kann. Octopus Electric Vehicles in Großbritannien berichtet von einer doppelt so hohen Nachfrage nach neuen E-Autos wie vor Jahresfrist. Bei der Plattform Carwow in Deutschland machen Elektroautos inzwischen drei Viertel der Konfigurationen aus, vor dem Iran-Krieg waren es lediglich 40 Prozent. „Wir beobachten anhand aktueller Carwow-Daten, dass sich das hohe Nachfrage-Niveau inzwischen stabilisiert hat und damit zunehmend strukturellen Charakter annimmt“, sagte Carwow-Geschäftsführer Philipp Sayler von Amende.

Auffällig sei zudem die starke Dynamik chinesischer Hersteller. So habe sich BYD binnen eines Jahres von einer Nischenmarke zur am viertstärksten nachgefragten E-Auto-Marke auf Carwow entwickelt, nach Volkswagen, Skoda und Dacia. „Unsere Daten zeigen damit nicht nur einen Wandel bei den Antriebsarten, sondern auch eine zunehmende Veränderung der Wettbewerbslandschaft“, sagte er.

Sogar in Rumänien steigt das Interesse. Die rumänische Website OLX verzeichnete im April mehr als dreimal so viele Anfragen nach Elektroautos. „Der Iran-Konflikt hat grundlegend geändert, wie die Menschen die Versorgung mit Energie beurteilen“, sagte OLX-Chef Christian Gisy. „Die Europäer sind von ,vielleicht irgendwann‘ zu ,genau jetzt‘ bei Elektroautos übergegangen.“

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