Herzliches Wiedersehen

Robert Kasirers emotionale Rückkehr nach Bregenz

Menschen
20.05.2026 12:35
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

Robert Kasirer ist 1949 in Bregenz zur Welt gekommen – als Sohn eines jüdischen Ehepaars, das nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs alles verloren und keine Heimat mehr hatte. Am Dienstag kehrte Kasirer an den Bodensee zurück – es war ein herzliches Wiedersehen.

Es ist eine Familiengeschichte, die auf vielen Ebenen bewegt: Die Eltern von Robert Kasirer stammten beide ursprünglich aus der heutigen Ukraine. Nach ihrer Befreiung aus dem Konzentrationslager Auschwitz (Mutter) und aus einem Arbeitslager (Vater) hatten sie sich kennen und lieben gelernt. Ohne Heimat, ohne Hab und Gut landeten sie schließlich in Bregenz – das Ziel aber war Los Angeles, wo sich bereits ein Onkel von Robert als Auschwitz-Überlebender ein Leben aufbaute. Jahrelang musste die Familie in Bregenz ausharren, ehe ihr Visum für die USA bewilligt wurde.

Am Dienstag kehrte Robert Kasirer in seine Geburtsstadt am Bodensee zurück – es war ein Tag der großen Emotionen: Nach einem Treffen mit Bürgermeister Michael Ritsch, von dem er Einblick in die Geschichte der Stadt und auch ein Duplikat seiner Geburtsurkunde erhielt, ging es in die Quellenstraße, wo er mit seinen Eltern bis 1954 gelebt hatte.

„War für mich furchtbar, als sie gegangen sind“
Vor dem Haus Quellenstraße 21 wurde Robert herzlich von seinem ehemaligen Spielkameraden Ramon Schmid, dem das Gebäude heute gehört, und seiner damaligen Babysitterin Roswitha Steger begrüßt. Schmids Großvater hatte die Kasirers aufgenommen, weil er die jüdischen Bürger als „gute Leute“ schätzte. Zur Zeit des Nationalsozialismus sei der Großvater von der Gestapo als „Judenfreund“ verhaftet worden, sein Vater hätte ihn aber wieder loseisen können, erzählte Schmid. Schmid und die heute 88 Jahre alte Roswitha Steger tauschten mit dem als Kleinkind „Rommele“ genannten Kasirer gerührt alte Erinnerungen aus. „Es war für mich furchtbar, als sie gegangen sind“, sagte Steger, die im Haus gegenüber gewohnt und immer wieder auf Robert aufgepasst hatte. Mit Roberts Mutter blieb sie viele Jahre in Kontakt. „Sie hat mir Kleider geschickt“, so Roswitha Steger.

Den amerikanischen Traum gelebt
„Ich hatte in Bregenz ein wunderbares Leben“, schwärmte Kasirer dankbar. Seine Eltern hätten immer sehr respektvoll und mit großer Wärme über ihre Zeit und die Leute in Bregenz gesprochen. Nach der Emigration nach Los Angeles wurde Kasirers Vater Jacob, ein gelernter Schuhmacher, zum reichen Immobilienunternehmer. 1984 trat Robert als Rechtsanwalt in die Firma des Vaters ein, die heute von zwei Söhnen und einem Schwiegersohn geführt wird. Er hat vier Kinder und 13 Enkelkinder, das jüngste davon ist gerade ein halbes Jahr alt. Heute widmet sich Kasirer als Vorsitzender seiner Familienstiftung der Unterstützung von Bildungsinstitutionen, des Judentums und der Philanthropie. Auf dem Programm standen auch Besuche des Jüdischen Museums und des Jüdischen Friedhofs in Hohenems. Im nächsten Jahr will Kasirer nach Bregenz zurückkommen, um die Bregenzer Festspiele zu besuchen. Eingefädelt hatten das Treffen am Dienstag Yves Bollag, Präsident des Vereins zur Erhaltung des Jüdischen Friedhofs in Hohenems, und Raphael Einetter, Sammlungsleiter des Jüdischen Museum Hohenems.

Zitat Icon

Ich hatte in Bregenz ein wunderbares Leben. Meine Eltern haben immer sehr respektvoll und mit großer Wärme über ihre Zeit und die Leute in Bregenz gesprochen.

Robert Kasirer

1000 „Displaced Persons“ in Bregenz und Hohenems
Die Zahl der sogenannten „Displaced Persons“ – Überlebende von Konzentrations- und Arbeitslagern – belief sich in Österreich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs auf eine Million, etwa ein Viertel davon waren Jüdinnen und Juden. Sie wollten nach Palästina bzw. Israel, in die USA, nach Australien oder auch nur in die Schweiz. Als „Displaced Persons“ hatten sie Anspruch auf Unterstützung durch die Alliierten und Fürsorgeleistungen der Gemeinden. Für rund 1000 jüdische „Displaced Persons“ waren Bregenz und Hohenems Durchgangsstationen.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

11° / 16°
Symbol starke Regenschauer
12° / 18°
Symbol starke Regenschauer
12° / 18°
Symbol starke Regenschauer
12° / 19°
Symbol einzelne Regenschauer
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung