Pflanzen im Test

„Bienenfreundlich“ und trotzdem hochgiftig

Wissen
20.05.2026 10:46
Porträt von krone.at
Von krone.at

Wenn Pflanzen als bienenfreundlich ausgeschildert werden, heißt das noch lange nicht, dass sie es wirklich sind. Das zeigt ein Test der Umweltschutzorganisation Global 2000 und der Arbeiterkammer Oberösterreich.

Untersucht wurden 30 Pflanzen. Auf 23 Proben – das entspricht 77 Prozent – fanden sich in Summe 41 verschiedene Pestizide, auf neun Blühgewächsen (30 Prozent) sogar solche, die für Bienen als hochgiftig gelten. Auf vier Pflanzen wurde mehr als ein Bienengift nachgewiesen. Negativer Spitzenreiter war ein Rosmarin, der mit insgesamt 16 Pestiziden, davon vier für Bienen besonders gefährlichen, belastet war. Auf drei Pflanzen wurden Pestizide ohne EU-Zulassung entdeckt, auf einer Studentenblume fanden sich sogar vier dieser Substanzen.

Preis sagt nichts über Pestizidbelastung aus
Ein Zusammenhang zwischen Preis und Pestizidbelastung wurde nicht festgestellt: Beim Vergleich von drei Lavendelpflanzen – je eine aus dem niedrigen, dem mittleren und dem hohen Preissegment – war die billigste Pflanze sogar am wenigsten belastet. Global 2000 vermutet, dass die teureren Pflanzen meist größer und damit älter sind und daher während der Aufzucht häufiger mit Pestiziden behandelt wurden.

Bienentoxisch und schlecht für Menschen
Von den 41 festgestellten Pestiziden gelten neun als bienentoxisch. Diese sind laut Global 2000: Acetamiprid, Captan, Chlorpyrifos, Deltamethrin, Flupyradifurone, Lambda-Cyhalothrin,Milbemectin, Pirimicarb und Spinosad. Aber auch die anderen gefundenen Pestizide haben negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit – hier stach wieder der Rosmarin mit zehn solcher Verbindungen hervor, gefolgt von einer Sonnenblume mit sieben Pestiziden.

Ergebnisse 2021 und 2022 noch schlechter
Bereits 2021 und 2022 hatte Global 2000 – damals gemeinsam mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) – als bienenfreundlich verkaufte Pflanzen getestet. Damals waren die Ergebnisse noch schlechter: 2022 fanden sich auf 42 von 44 Proben Pestizide. Heuer wurde der Test mit der Arbeiterkammer Oberösterreich wiederholt. Es waren diesmal zwar weniger Pflanzen belastet, die gefundenen Rückstände seien aber auch bei rückläufigen Zahlen nicht akzeptabel, so Karolina Hötzeneder von Global 2000. „Es darf nicht sein, dass Pflanzen die dezidiert als bienenfreundlich ausgewiesen sind, immer noch zur Todesfalle für unsere wichtigsten Bestäuber werden können. Bienentoxische Pestizide haben hier grundsätzlich keinen Platz.“ 

Global 2000 fordert daher strengere gesetzliche Bestimmungen wie u.a. ein Verbot hoch insektengefährdender Pestizide bei der Produktion von als bestäuberfreundlich beworbenen Pflanzen, regelmäßige staatliche Kontrollen und ein Importverbot für Pflanzen, die Rückstände von in der EU nicht zugelassenen Pestiziden enthalten.

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