„Tanzende Idioten“

So poetisch und so skurril kann das Sterben sein

Kultur
18.05.2026 12:09

Mit der internationalen Koproduktion „Tanzende Idioten“ ist der deutsche Regisseur Thorsten Lensing erstmals bei den Wiener Festwochen zu Gast. Seine starken Bilder und die herausragenden Schauspieler wurden am Sonntag im Akademietheater ausgiebig gefeiert. 

Hat man den eigenen Tod vor Augen, verändert das die Perspektive auf das Leben. Wichtigkeiten werden unbedeutend, Kleinigkeiten zu philosophischen Grundsatzfragen. Das Tragische und das Komische erweisen sich dabei oft als seltsames Geschwisterpaar. Der deutsche Regisseur Thorsten Lensing setzt sich für „Tanzende Idioten“ mit dem Sterben auseinander – zutiefst poetisch, höchst philosophisch und urkomisch. 

Aus drei Texten des 2017 verstorbenen US-Autors Denis Johnson hat er mit einfachen Mitteln eine Szenenabfolge gebaut – und setzt mit seinen Bildern auf die Kraft der Fantasie. Das Aufbauen einer Bretterwand wird zum unermüdlichen Symbol des Sich-Aufbäumens gegen das unweigerlich nahende Ende, ein Gabelstapler wird zur Mondrakete, ein Plexiglas-Kobel dient als Sauna, die das Feuer des Lebens zurückbringen soll.

Schauspielerische Meisterleistung
Auf dem Gabelstapler wird auch die schwer kranke Goldie (durchscheinend und kraftvoll: Ursina Lardi) durch das Stück gefahren. Sie steht vor dem Ende ihres jungen Lebens. Begleitet wird sie von ihrem liebesbedürftigen Kater Apollo. Mit welcher Detailgenauigkeit Sebastian Blomberg diesen tierischen Gefährten spielt, ist eine Meisterleistung. Da stimmt jeder Blick, jede Geste und jede kleinste Regung.

Die einzelnen Szenen sind wie Schlaglichter auf die letzten gemeinsamen Stunden der Sterbenden mit ihrem Kater – da wird der Kraftakt gezeigt, mit dem Goldie ihr Haus umbaut, um nicht zum Stillstand zu kommen. Da gibt es den Versuch einer Aussöhnung mit dem Vater, der wenig Interesse am Schicksal der Tochter zeigt, sondern unbekümmert mit der neuen Flamme sein Doppelkanu fürs Trockentraining im Wohnzimmer aufbaut. Eine Unbedarftheit, die sonst der Jugend vorbehalten ist.

Mit Leichtigkeit große Fragen verhandelt
Oder eine Traum-Sequenz, in der Goldie mit der Apollo-Mission zum Mond reist und ihr Kater (der zu Neil Armstrong mutiert ist) in einer absurden Szene merkt, dass er die Kamera zerstört hat.

Am Ende bleibt Kater Apollo allein zurück. Sein Trotz und sein Unverständnis für diese tiefe Einsamkeit, in die plötzlich gestoßen ist, bilden den berührenden Abschluss eines Abends, der mit starken Bildern federleicht und doch existenziell die großen Fragen von Leben, Lieben und Sterben verhandelt.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung