Die Internationale Energieagentur (IEA) hat Österreich ein gutes Zeugnis bei der Energiewende ausgestellt. So sieht IEA-Chef Fatih Birol international einen Aufschwung für die Atomkraft, bescheinigt Österreich aber eine hohe Resilienz.
Der Prüfbericht kam zu dem Schluss, dass Österreich bereits einen Erneuerbaren-Anteil von 90 Prozent am Stromverbrauch (2024) hat. Damit ist das Land Spitzenreiter in der EU. Allerdings gebe es eine wachsende Lücke zwischen Ambition und Umsetzung, hieß es. Die Klimaziele, wie bis 2030 bilanziell 100 Prozent erneuerbaren Strom zu erzeugen, müssten mit konkreten Finanzmitteln in Einklang gebracht werden. „Österreich hat extrem ambitionierte Ziele, und das Hauptproblem ist nun, wie diese Ziele rasch umgesetzt werden können“, sagte IEA-Experte Ali Saffar.
So müsse etwa der Ausbau der Windkraft beschleunigt werden. Bei Photovoltaik werde bereits ein Boom verzeichnet, aber die Windkraft hinke aufgrund langwieriger Genehmigungsverfahren hinterher, heißt es im Bericht. Bei Fernwärme bräuchte es eine deutlich strengere behördliche Aufsicht, um faire Preise sicherzustellen, da die Netze oftmals ein natürliches Monopol seien.
Österreich hat extrem ambitionierte Ziele, und das Hauptproblem ist nun, wie diese Ziele rasch umgesetzt werden können.
Ali Saffar, Internationale Energieagentur
Zehetner: „Haben Preiskrise“
IEA-Chef Birol warnte zudem vor den globalen Folgen der blockierten Straße von Hormuz für die Energie- und Wirtschaftsmärkte. „Die globale Energiekarte wird neu gezeichnet, auch die Handelsrouten (...). Kein Land, aber auch gar kein Land, ist immun dagegen“, sagte er. In Asien habe die Energierationierung bereits begonnen, auch Europa leide massiv. „Wir haben derzeit in Österreich keine Versorgungskrise, aber eine Preiskrise“, sagte Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP). Sie forderte Eingriffe auf europäischer Ebene und kritisierte die Merit-Ordner in Kombination mit dem EU-Emissionshandel. Es könne nicht sein, dass man einerseits mit höheren Gaspreisen konfrontiert sei, aber „dass wir hier dann den höheren Preis auch für grüne Energie zahlen“, sagte Zehetner.
Weitere Reaktionen aus Österreich fielen gemischt aus. Die Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung kritisierten ebenfalls langwierige Genehmigungsverfahren für Wind- und Wasserkraftprojekte sowie Stromleitungen, die Stromwirtschaft forderte unter anderem mehr Tempo beim Ausbau der Netze. „Gerade das Beispiel Wind zeigt exemplarisch, wo Österreich ansetzen muss: ausreichend Flächen, schnellere Genehmigungen und verlässliche Verfahren. Der Ausbau darf nicht länger an zersplitterten Zuständigkeiten und Verzögerungen auf Ebene der Bundesländer hängen bleiben“, sagte Martina Prechtl-Grundning, Geschäftsführerin des Dachverbands Erneuerbare Energie (EEÖ) Österreich.
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